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1.Auflage: 1992/X by Hilmar Alquiros ( h.e.)

 

 

 

Menschen-Mögliches

 

Gedichte 1965 ff.

 

 

heimlich

 

heimlich um die ecke kam das schweigen,

  wunden brennen, mit und ohne jod -

blütenträume fallen von den zweigen,

  bäume sterben sinnlos ihren tod

 

heimlich um die ecke kam die sehnsucht,

  schmerzen, gegen die man sich nicht wehrt -

worte, die man hört und zu verstehn sucht,

  alles wird erbarmungslos verkehrt

 

heimlich um die ecke kam das alter,

  kinderaugen blicken still hinaus -

mühevoll erreicht die hand den schalter,

  löscht sich so den letzten lichtblick aus ...

 

 

 

Simultanspiel

 

Man fordert mich auf sämtlichen Kanälen,

Erfahrungsräume tanzen auf und ab -

nicht zwischen Tod und Leben darf ich wählen:

nur zwischen Kurzgalopp und Dauertrab …

 

Man quetscht mich aus wie eine Pampelmuse,

halb spiel' ich Simultanschach, halb Roulett -

und über allem lächelt die Meduse

der Unersättlichkeit .. das nächste Brett!

 

 

 

menschenmögliches

 

menschen mögen kleine pillen,

gegen einsamkeit und kopfdruck,

marionetten wider willen -

mit gefühlen nur auf knopfdruck

 

menschen mögen plastikdinge

und kultur-makulatur,

angesichts der jahresringe -

viel zu spät dann auch natur

 

 

 

lebenslauf

 

kinderschreien, wiegeschaukeln

ringelreihen, märchengaukeln

schülerranzen, ballgeschick

walzertanzen, liebesglück

sommerregen, prüfungszeiten

kindersegen, ehestreiten

länderweiten, blickereigen

zeitlichkeiten, zähnezeigen

weltgedanken, weisheitstruhe

todesschranken, grabesruhe ...

 

 

 

ihr

 

ach wie stabil sind all die andern,

ich bin verwundbar und allein -

ihr seid zuhause, ich muss wandern

und euer wegbegleiter sein

 

mich darf ein gipfelsturm ermüden,

ihr seid so munter und so wach -

ich nur ein nordlicht, ihr der süden,

ihr seid so stark, ich bin so schwach

 

ihr seid so teuflisch unverfroren,

ich bin so zart und so naiv -

ihr seid zum höchsten auserkoren,

meine bestimmung liegt ganz tief

 

ihr schwingt den kelch und feiert feste

und habt das leben in der hand -

ihr nehmt das fleisch, ich nur die reste

und bleibe still und unerkannt

 

ihr tut von außen so gemeinsam,

auch wenn ihr keine einheit schafft -

ich bin im innersten so einsam

und doch voll liebe und voll kraft ...

 

 

 

september

 

nur die autoreifen

ziehen reifenstreifen

auf den spiegelwässrigen asphalt

 

nur die gelben lampen

und die bordsteinschlampen

glotzen stur und schwanken kalt

 

manche leute hoffen,

andre sind besoffen,

schniefen und krepieren bald

 

regenschirme triefen,

und die reflexiven

träumer träumen ihren wald ...

 

 

 

november

 

gruftig ziehen schwaden hin

voller nebelangst,

während du um deinen sinn

 und dein leben bangst

 

ästen gleich verdorrt die hand,

mahlt das mehl der zeiten -

uferschwer in jenes land

 wird es dich begleiten ...

 

 

 

urteil

 

lebenslänglich

hieß

das urteil

seit

meiner

zeugung ...

 

 

 

dämmerwärts

 

die stunde naht und schwingt mit ihren hüften,

minuten perlen mir durch mund und hand -

verführerisch in gesten und in düften,

lockt sie mich tanzend in ein fremdes land

 

so raubt sie mir buchstäblich meine sinne,

den atem, den verstand und auch den schmerz -

und gebe ich mich hin - als letzte zinne

begleitet mich die sehnsucht dämmerwärts ...

 

 

 

endzeit

 

erloschen dämmert der tag,

fahl ruht das licht -

die schlanken und vollen wipfel,

sie rühren sich nicht

 

schwer sinkt der stiefelschritt

in den morast der zeit,

bläulich-verloren schimmert am ende

die endlosigkeit ...

 

 

 

lebenslänglich

 

ich liebe, was mich hasst,

bin einsam durch zusammensein,

ein narr durch klugheit,

verbrecher aus liebe

 

ich höre mein urteil

mit gefesseltem herzen,

und schaue den gedankenspielen zu

sammle schuld und leid,

bitternis ohne ausweg ...

 

 

 

grimm

 

du hast die mordlust im gepäck

und eine flasche gin,

bekamst am spiegel einen schreck

und sahst keinerlei sinn

 

zwischen empfängern und sendern,

da schreibt so mancher mit -

du wolltest die welt verändern

und erhielst einen tritt ...

 

 

 

nach-ruf

 

du hattest dir immer das gleiche gesagt,

vom weg warst du niemals gewichen -

du hattest dich lebenslang abgeplagt,

 und bist doch nur ungern verblichen

 

mit leidenschaften und nonchalance,

du hattest doch alles gegeben -

und hattest von anfang an keinerlei chance,

verdammt noch mal! was für ein leben ...

 

 

 

bleibe

 

du fühlst dich wieder mal als echte niete,

du bist nicht richtig krank, auch nicht gesund,

du vegetierst - und schaffst doch kaum die miete,

dein leben ... leben, gut und schön, na und?

 

du hattest früher mancherlei ideale,

du warst als junger mensch noch so verliebt,

du reifst heran - und siehst mit einem male:

du hast das ganze fürchterlich versiebt

 

und merkst: du selbst bist deine höchste hürde

und blickst dir tapfer mitten ins gesicht -

du ahnst: eins bleibt dir noch, die menschenwürde:

dein leben ist dein  leben - oder nicht?

 

 

 

blickwinkel

 

außerhalb der innenwelt

existiert ganz unverkennbar

etwas, das zum leben hält,

einheitlich und unzertrennbar

 

innerhalb der außenwelt

wundern sich nun die subjekte,

wem wohl dieses spiel gefällt,

daß ihr geist das licht entdeckte

 

denn von außen wie von innen

formt der mensch sich sein gesicht -

muß sich immer neu besinnen,

was sein weg ist und was nicht ...

 

 

 

bodennebel

 

die wünsche schleichen wie durch hohle spalten,

der tag liegt zur verdunkelung bereit -

die rieselfelder voller spukgestalten,

sekunden tropfen durch das öhr der zeit

 

du krallst dich voller abscheu in die kissen,

die nackte existenzangst im gebein -

den schein der kerze möchtest du nicht missen,

der bodennebel hüllt die gräber ein

 

du siehst dich über kalte dächer wandern,

der tod hat dir ein rauhes kleid gehäkelt -

du fällst von einem abgrund in den andern,

vom schleim des daseins ewig angeekelt ...

 

 

 

entscheidung

 

malerei, gesang und dichtung

weichen sorgsam der verpflichtung,

denn ich will das gar nicht anders,

und ich muss das und ich kann das

 

die empfindung, dünn und leicht,

ahnt nicht, was an ihr entweicht -

oder doch? ich weiß nicht recht ...

beides wär' wohl auch nicht schlecht

 

leben oder rollentrance,

kind! jetzt kommt die letzte chance -

eine phase geht zuende,

menschenleben füllen bände ...

 

 

 

domgespenster

 

meine finstere innere macht,

hast du mir nicht verziehen?

auch die schatten versuchten zu fliehen

aus den fängen der nacht

 

all die ruchlosen morde von einst

in gestalt einer nonne,

da du schreckliche nachtschwarze sonne

mir auch tagsüber scheinst

 

welche flüche auch immer ich schrie,

die jahrhunderte nagen -

all den spuk muss ein mauerwerk tragen:

Notre-Dame de Paris ...

 

 

 

frage-zeichen

 

ich reiße meine augen auf

  und bin doch blind -

laß meinen tränen freien lauf,

  wie einst als kind

 

ich spüre meine lippen beben

  und bin doch stumm -

ich wollte etwas weitergeben,

  die zeit ist um ...

 

 

 

bestimmt

 

die dächer atmen wieder schwer und schwächlich,

nichts an den schloten deutet auf belebung -

die straßenschluchten bitten um vergebung,

doch wirkt der zeitgeist seltsam unbestechlich

 

das männlich-weibliche wird wieder sächlich,

sterilität als letzte große strebung -

wie zeilensprünge ohne jede hebung,

verfällt kultur stupide und gemächlich

 

alternativen purzeln über'nander,

weil wir längst ausweglos am ende sind -

die glut der götterdämmerung verglimmt

 

es schlängelt sich die zeit wie ein mäander

und findet nicht mehr aus dem labyrinth -

macht nichts! - der nächste urknall kommt bestimmt ...

 

 

 

alternativen

 

zu sein

wie der kreis,

wie das meer der stille,

wie das rötliche ufer der nacht

 

zu wirken

wie ein tal,

wie ein rat ohne worte,

wie die silberne hand der zeit

 

zu nichten

wie das fenster,

wie die sehnsucht der sprachlosen,

wie die unsichtbare spur meines weges ...

 

 

 

bistro

 

aus den ritzen steigt klebrig musik,

der garcon serviert rotwein zum zander -

wie die möbel, halb neu, halb antik,

sitzen fassungslos menschen bei'nander

 

aus den augen fällt einsames warten,

und sie scheinen die welt zu verdammen -

denn mit längst schon verlorenen karten,

hocken fassungslos menschen beisammen

 

aus den mündern quillt sabbernd die angst,

sie umströmt uns als stiller mäander -

da du schaudernd die rechnung verlangst,

kauern fassungslos menschen beinander ...

 

 

 

recht-sprechung

 

du lerntest die anpassung schätzen,

mit all ihrem schweißdrüsenmief -

und doch spürst du nun mit entetzen:

  es geht alles schief

 

du fühlst dich so jämmerlich schlecht nun

und willst doch mit all deinen tricks

es immer und allen nur recht tun:

  drum klappt ja auch nix

 

du magst es mit keinem verderben

und grinst wie der letzte idiot -

ein leben lang kannst du nicht sterben

  und bist doch längst tot ...

 

 

 

spät-wehen

 

draußen fiel der allererste schnee,

und erinnerungen tanzen,

manchmal tun sie auch ein bißchen weh,

und dann zieht man seine schlüsse und bilanzen -

  und dann hockt man da, allein,

  und bestellt noch einen wein,

und die sehnsucht geht durch allerlei instanzen

 

draußen, durch novembernacht,

stapfen fröstelnde naturen,

hinterlassen merklich unbedacht

eine kurze zeit lang ihre spuren -

  und dann blickt man seltsam drein,

  sperrt sich in sich selber ein

und verspürt in keiner miene resonanzen

 

draußen bäumt ein tieferschrock'nes jahr

sich zu letzten stürmen auf,

türmt auf das, was einmal wahrheit war,

schneeverwehend letzte illusionen drauf -

  endlich sinkt man, wie ein stein,

  tief in seine wehmut ein

und verliert sich, im detail und auch im ganzen ...

 

 

 

oktober

 

zwischen ähren versteckt

und aus hälsen entrungen:

ein insekt und zwei zungen

 

wie von wehmut bedeckt

und von farben umschlungen,

wie perfekt und verklungen ...

 

 

 

suchwege

 

auf den straßen, in den gassen

huschen menschen zeitgeplagt -

unerkenntlich, wer zu hassen

oder wer zu lieben wagt

 

augen, die den blick verhüten,

wesen voller gegenwehr -

aktentaschen, einkaufstüten,

denn das schicksal lastet schwer

 

linke schritte, rechte schritte

spiegeln so jahrzehntelang

auf der suche nach der mitte

gleichsam den gedanken-gang

 

menschen, einsam und in massen,

niemand, der sich laut beklagt -

unerkenntlich, wer zu hassen

oder wer zu lieben wagt ...

 

 

 

umschläge

 

wolltest haben, hast geschwindelt,

  sein genügte nicht -

erst gezögert, dann gezündelt,

schlug die existenz gebündelt

  mitten ins gesicht

 

magst nun sein, ganz ungelogen,

  ohne drogenrausch -

und verdammst in bausch und bogen

deinen alten werbeslogan

  vom bewußtseinstausch

 

vorsicht: handeln bringt oft händel,

  sein ist nie bequem -

denn noch manche last am bändel

zieht, nach dem gesetz vom pendel -

  neu in ein extrem ...

 

 

 

warte-manöver

 

der tod hat so viele gesichter

  und hält dich zeitlebens in trab,

dann macht er sich plötzlich zum richter,

verlöscht deine inneren lichter

  und nabelt dich ab

 

der tod ist dem leben verderblich

  und hat doch die besseren karten,

die neigung zu sterben scheint erblich,

der tod aber selbst ist unsterblich -

  und du kannst nur warten ...

 

 

 

irr-lichter

 

menschen, die mehr liebe bräuchten,

als sie jemals hatten -

lichter, die von innen leuchten

in der welt der schatten

 

sterbende, die nicht verzagen,

machen uns betroffen,

wesen, die nach wesen fragen -

und verzweifelt hoffen ...

 

 

 

wenn-und-aber-song

 

wenn man nein sagt,

und doch ja meint

und besonders in der nacht -

sich allein plagt

und dann da weint,

wo ein andrer lieber lacht

 

wenn man zweifelt,

ob man ruh'n soll

und den ganzen langen tag

das verteufelt,

was man tun soll -

und es lieber lassen mag

 

wenn man stirbt,

statt zu begreifen

und man hat die nase voll -

und verdirbt,

anstatt zu reifen,

findet das wohl keiner toll

 

wenn man wartet

auf ein leben,

das mit wundern übersät ist -

und erst startet,

wenn's halt eben

für ein wunder viel zu spät ist ...

 

und dann zieht man,

 wenn man kann dann,

endlich seine konsequenzen -

und dann liebt man

und verschiebt dann

seine festgefahr'nen grenzen ...

 

 

 

empfindungsbrei

 

von weitem schau ich meinem

entsetzen zu,

ich fühl mich ausgeliefert,

genau wie du

 

das messer der verzweiflung,

wie du es nennst -

erstach mein letztes hoffen

wie ein gespenst

 

unwiederbringlichkeiten

zerstäuben sacht,

in meinem ohr verfängt sich

das lied der nacht

 

ein letzter tropfen wehmut

verrinnt im nu -

von innen schnürt sich langsam

die sehnsucht zu

 

als letzten halt versäum ich

den todesschrei -

mein fühlen starb in schalem

empfindungsbrei

 

ein leben voller qualen

lag endlos brach -

mein eignes auge grinst mir

noch lange nach ...

 

 

 

engelszungen

 

und redete mit engelszungen

ein jemand, der nicht weniger

aus sich heraus ein ich war als

ich selbst und zwar von jener nacht

 

mit der geduld umnachteter

gestalten ohne laut und blick,

die aus sich selbst heraus die nacht

wahrnehmen als ein schwarz in schwarz

 

ohne den matten fall der zeit

in ungewisses warten zieh'n,

aus sich heraus als helle nacht,

als ich im innern der kontur

 

den stillen abgesang der nacht

mit schwarzen lippen als ein ich,

das aus sich selbst heraus und nicht

aus mir den todesschrei erfährt ...

 

 

 

reifen-panne

 

man reift dahin,

solang man lebt

und macht sich seine gedanken -

so mancher sinn,

den man erstrebt,

gerät dann später ins wanken

 

man reift daher,

solange man

enttäuscht das leben durchwandelt -

und nimmt's erst schwer,

so gut man kann,

bevor man dann wieder verhandelt

 

man reift und reift,

bevor man starb,

und wußte nie, was man wollte -

bis man begreift,

daß man verdarb,

was man doch genießen sollte ...

 

 

 

lülle

 

was man für menschlich hält,

für logisch und gewiss -

ist nicht das schlechteste

 

ein gähnen für die welt,

dein lächeln im gebiss -

ist nicht das echteste

 

pupillenunterkühlt,

dämonisch angezettelt -

halb geist, halb fisch

 

traumsüßlich eingelüllt,

dem schlaf noch abgebettelt -

ich ...

 

 

 

tiefen-wirkung

 

unergründlich, unbegreiflich

  braust das meer in mein gemüt,

und ich spüre, wie es teuflisch

  mich in seine tiefen zieht

 

hüllt mich schweigend-unerfindlich

  ein in seinen dunklen bann -

unbegreiflich, unergründlich

  rührt mich sein geheimnis an ...

 

 

 

maß-nahme

 

gleich nach dem erwachen der seltsame drang

nach ganz erhabenen dingen -

doch abends schien alles ganz ohne belang,

nichts wollte richtig gelingen

 

gleich nach der kritik das tiefe gespür

für alles, was da scheitert -

ein dankbarer blick durch jene tür,

die unser bewusstsein erweitert ...

 

 

 

nach-frage

 

hast du die schatten lieb genug,

den griff der nacht?

das schicksal, das dich weitertrug,

geliebt hat und mit leiden schlug,

genau bedacht?

 

hast du die worte wohl gewählt,

die du so liebst?

auch jene tage mitgezählt,

da dich die existenz so quält,

dass du .. vergibst?

 

hast du dein mütchen nun gekühlt,

wirst du nun klug?

all das vergangene aufgewühlt,

den tod lebendig nachgefühlt,

hast du - genug?

 

 

 

menscheinwärts

 

ich krampfe in mich ein

und stürze ab und unter,

ich segle sturm-seel-ein,

schnapphoffnung auf ein wunder

 

die zeitspirale 'ich'

raumgeifert irritiert,

ein ich, das über sich

hohnlächelnd reflektiert

 

ein ego strebt zu seinen

ichspieglen, stück um stück,

aus dem unendlich-meinen

da führt kein weg zurück ...

 

 

 

hemm-schwelle

 

tauben schrittes stapft die nacht,

schleppend ihren gang -

viel zu viele stunden schon

hemmten ihren drang

 

achtlos starb die leidenschaft

nach dem licht dahin -

dumpf verklang ein grauer ton,

der so farbig schien ...

 

 

 

frei-zeichen

 

der himmel giert

und darf auch endlich

farbe bekennen

 

früh-rot verziert

und unabwendlich

vorzeichen nennen

 

doch wie man's dreht,

die eigenen weichen

locken erheblich

 

der tag vergeht

und all die zeichen

waren vergeblich ...

 

 

 

subtil

 

nicht greifbar,

doch erhaben

wie nordlichter

 

nicht überspitzt,

doch treffend

wie gedankenblitze

 

nicht von sinnen,

doch sinnlich

wie mein schmerz ...

 

 

 

spielraum

 

auch nach kritischster enthüllung

knirscht die sucht nach sinnerfüllung

im getriebe

 

jenseits aller argumentchen

schnappt das leben sich sein quäntchen

lust und liebe ...

 

 

 

folter

 

horch wie die stille

leidet,

sich immerfort so

krümmt

 

jeglichen schrei

beneidet,

der nie

verstummt

 

entsetzen trinkt und

friert,

in ungeahnter

weise

 

horch wie sie

implodiert,

jenseits von

leise ...

 

 

 

wechsel-schritt

 

Du gehst nicht rückwärts und nicht vor

magst tanzen - doch Du tanzst nicht!

stehst jahrelang vor einem tor

und willst hindurch und kannst nicht ...

 

Du tatst so manche gute pflicht

und oft zuviel des guten,

ein zweites leben hast Du nicht,

drum solltest Du Dich sputen ...

 

und gleich die ersten schritte tun:

durch manches tor da drinnen -

und reifend in Dir selber ruh'n

und mit dem tanz beginnen ...

 

 

 

Fehlschlag-Song

 

Niederlagen sind das Salz

in der Suppe des Lebens -

ohne sie wär’ allenfalls

auch Erfolg vergebens ...

 

Misserfolge ohne Zahl,

stets die selbe Leier -

über allem kreist fatal

schon der Pleitegeier ...

 

Einmal sagt das Leben: Stopp!

Selbst in der Erkenntnis

für den allerletzten Flop

fehlt uns das Verständnis ...

 

 

 

herbst

 

widersprüchlich

beugen sich die äste

hin und her,

peitscht der regenwind,

reißt er das welke blatt

 

der berg liegt still

 

die lehmige fußspur sammelt

das wasser,

trüb und unklar erst

lichtet sich im nebel

mein weg ...

 

 

 

tunnelfahrt

 

landschaften ziehen leise

im schienentakt vorbei -

mir scheint, der fahrtwind reiße

die gegenwart entzwei

 

finstere tunnelwände

verharren ohne licht -

den weg am andren ende

erfahren wir wohl nicht

 

die zukunft lässt uns warten

mit zeigern ohne ziel -

am ende aller fahrten:

ein stummes rollenspiel

 

verfehltes hoffnungspochen,

wo urverzweiflung droht -

die gegenwart zerbrochen,

die zukunft leer und tot

 

wie man den weg auch wende

der schleim der zeit erstarrt -

wenn immer schon am ende

ein weiterer tunnel harrt ...

 

 

 

hingabe

 

so lass den tanz der wellen zu

und gib Dich einfach hin -

und tiefberührt erfährst auch Du

die sinnlichkeit als sinn

 

ein leben lang und ganz zum schluss

ein liebeslied für Dich -

gevatter tod den letzten kuss

als höhepunkt an sich ...

 

 

 

ohnmacht

 

zwischen grab und daumennuckeln

eine handvoll ehre -

arrogantes katzebuckeln,

grad, als ob nichts wäre

 

wird so manches nie genug,

bleibt nur die bedrängnis -

bis zum letzten atemzug

schon ab der empfängnis

 

selbst das zentrum des gewindes

krümmt sich nach dem sinn

und die weisheit eines kindes

dümpelt vor sich hin ...

 

 

 

Fragen

 

Die Seele zittert, bebend stellt sie Fragen

Nach Lust und Liebe und nach andren Dingen,

Zum Himmel flehen und um Antwort ringen

In Träume fliehend, sterbend an den Tagen

 

Ist Liebe Mut, die Schmerzen auszuhalten,

Meint Liebe Kraft, ein Wesen zu begreifen?

Distanz und Nähe leben, leidvoll reifen,

Am Ende doch noch Zweisamkeit entfalten?

 

Die dunklen Mächte kämpfen mit den hellen,

Der Schrei der Nacht erstirbt im Tau der Tränen

Der See der Zeit, bewacht von schwarzen Schwänen

 

Soll Mensch ein Urteil über Menschen fällen?

Wo Weg auch Wagnis heißt und Glück Verzicht -

Der tiefste Tunnel endet doch im Licht ...

 

 

 

spät-folgen

 

noch ist es hangeln, griff für griff,

zum meer der alternativen -

dann ist es springen, hoch vom riff:

in todesmutige tiefen

 

noch ist es warten, voll geduld,

die bindung einer reise -

dann ist es lösen, ohne schuld:

ganz einsam, reif und leise

 

noch ist es lieben, jener hauch,

den niemand ganz errät -

dann ist es sterben, tief im bauch:

und alles ist zu spät ...

 

 

 

trampelpfade

 

jedes wenn verbirgt ein aber,

aus vertrauen wird verdruss -

aus der liebe wird gelaber,

jedem anfang folgt ein schluss

 

doch kein aber hat allein recht,

auch verdrossenheit macht sinn -

denn besitztum ist nur scheinrecht,

jeder schluss auch neubeginn

 

und so trampeln wir die pfade

unsrer ungewissen zeit -

finden sterben-müssen schade,

sind zum leben nicht bereit ...

 

 

 

mit-leid

 

ohne linkes auch kein rechtes,

ohne mitte auch kein rand -

ohne gutes auch kein schlechtes,

ohne sinn auch kein verstand

 

mit dem anfang schon das ende,

mit den brüchen schon der kitt -

mit dem starrsinn schon die wende,

mit dem ohne schon das mit ...

 

 

 

heim-zahlung

 

le gare du nord, la salle d'attente,

fast trostloser noch: das bistro -

thé noir? ou infusion du menthe?

zum wucherpreis - so oder so ...

 

geräusche, die wie stimmen klangen,

zur resignation angestachelt -

das grundgesetz heißt: warteschlangen,

die mienen gefugt und gekachelt

 

und doch: spät abends bis zum morgen,

hockt bahnhofswelt tief in mir drin:

ich fühl' mich nirgends so geborgen -

so heimatlos, wie ich nun bin ...

 

 

 

vereint

 

ein teil ist nie ganz wahr,

auch das gegenteil ist nicht das wahre -

teil und gegenteil

sind zusammen

erst der anfang ...

 

eine liebe ist nie ganz selbstlos,

auch die gegenliebe nicht -

liebe und gegenliebe

sind miteinander

erst der beginn ...

 

eine strömung ist nie ganz ungetrübt,

auch die gegenströmung sieht nicht auf den grund -

strömung und gegenströmung

sind gemeinsam

erste die quelle ...

 

 

 

helltraum

 

ich träume manchmal wundersame träume,

so eigenartig hell und mächtig klar -

bewege mich durch zeiten und durch räume

so leicht, als ob es immer schon so war

 

es ist, als ob der grund von allem bricht,

das reine nichts schwebt da in schönheit hin -

vergangenheit und zukunft gibt es nicht,

nur noch die antwort auf die frage nach dem sinn ...

 

 

 

untergrund

 

rumpf an rumpf, mal holz-, mal steinkopf,

uferlos und bange,

und im großstadt-u-bahn-eintopf,

menschen von der stange

 

mienen, moden, marktgenesung,

prunk und pink und punk,

kommunikationsverwesung,

schweigender gestank ...

 

 

 

zukunftspläne

 

man spricht von zukunft und schon hat man angst

um rentenpläne und um mutter erde -

man warnt dich vor: damit du nicht verlangst,

dass alles wieder so wie früher werde

 

man spricht von zukunft und ist voller sorgen

um arbeitsplätze - oder um exporte,

die hohen tiere reden heut' schon gern von morgen,

doch ihre mimik übertüncht bloß leere worte

 

man spricht von zukunft wie von einer krankheit,

die's auszurotten gilt - und zu sezieren,

und fastet, um in makelloser schlankheit

zwar sinnlos, doch ästhetische zu krepieren ...

 

 

 

genugtuung

 

wann war uns der mensch noch mensch genug,

wir sind nach dem kriege geboren -

als die luft noch kz-geruch in sich trug,

er ließ uns nicht ungeschoren

 

wann gab uns die liebe noch liebe genug

in friedlichen zeiten und räumen -

am brunnen der sehnsucht zerbrach ein krug,

gefüllt mit den menschheitsträumen

 

wann lässt uns das leben zum leben genug,

warum müssen wertachsen schief sein -

gekünstelte ziele sind selbstbetrug,

das wachstum muss qualitativ sein

 

wann erzielt uns der weg als weg genug

warum straucheln wir, weiche für weiche -

wir sitzen doch alle im selben zug,

die endstation ist die gleiche ...

 

 

 

Liebesgeist

 

Denn die Klugheit kommt von innen,

schließt auch Reife ein, tief drinnen,

und - Vergeben ...

muss sich täglich neu besinnen,

um sich selber zu gewinnen

und - das Leben ...

 

Denn mit Umsicht, sanft und leise,

glückt es, dass man auf der langen Reise

heil verbliebe ...

gleich der Quadratur der Kreise,

so vereinigt man dann weise

Geist und - Liebe ...

 

 

 

lichtung

 

aus der stille

tritt ins nun:

hier dein wille,

dort dein tun

 

deinem handeln,

'weg des lichts',

folgt verwandeln

hin zum nichts

 

wegbegleitung

in der not -

vorbereitung

auf den tod

 

welche fülle!

überleg:

dort die stille,

hier dein weg ...

 

 

 

Abgesang

 

Welch ein Geheimnis doch das Leben ist,

Es quillt und ruft und welkt und fragt -

Und endlich ahnt man hoch betagt,

Was Geben ist ...

 

Welch wundersames Weltgetriebe ist

Da zwischen Dächern, Zwang und Lust -

Und nah dem Abgesang, da wird bewusst

Was Liebe ist ...

 

 

 

Skizze

 

Der Raum ist voller Wortmagie

Von edelstem Geblüt -

Hier gehe ich und irgendwie

Verwandelt sich die Welt, und sie

Greift tief in mein Gemüt ...

 

Die Zeit geht so seltsame Wege ...

Sie krempelt die Wirklichkeit um -

Hier sitz’ ich nun und überlege

Und komm’ mit mir selbst ins Gehege

Und werd’, statt zu schreiben, ganz stumm ...

 

 

 

nachtlied

 

wenn man liebt

und doch allein ist -

und das mitten

in der nacht

 

sich vergibt,

was zu verzeihn ist,

doch kein bitten

sinn noch macht

 

wenn man hört,

das ganze leben

sei von grund auf

illusion

 

ganz verstört

ahnt: macht es eben

seinen mund auf,

lügt es schon!

 

wenn man gerne

neu verspürte,

daß der hohn

verwunden ist

 

in die ferne

neu entführte,

was längst schon

verschwunden ist

 

wenn man segnet,

statt verteufelt,

die romanze

ehrt und schont

 

wege ebnet

und doch zweifelt,

ob die ganze

mühe lohnt

 

wunden kühlt,

wo höllenpein ist,

viel gestritten ...,

 viel gelacht ...

 

liebe fühlt

und doch allein ist -

und das mitten

in der nacht ...

 

 

 

Verinnerlichung

 

Die Außenseele treibt und zieht

Und weiß nicht, was sie will

Doch tief im innersten Gemüt

Wär sie gern rein und still

 

Tief im Gebälk, da knarrt die Schuld

Als Weg mit Hindernissen

Denn fehlt der Einsamkeit Geduld

Verliert sie an Gewissen

 

So ungewiss seit Jahr und Tag!

Das Seelchen wird vermessen:

Möcht endlich wissen, was es mag -

Und wen! Nicht zu vergessen

 

Da hilft ein Ziel nur, eine Richtung

Je mehr man überlege 

Verdichtung ist das Ziel der Dichtung

Und aller Lebenswege

 

Tief innen leuchtet still das Licht

Aus dem der Geist sich schuf

Das letzte Rätsel löst man nicht

Doch folgt man seinem Ruf ...

 

 

 

abgang

 

gib mir

eine nadel her

und noch

einen kuss

 

weil ich das

sekundenmeer

endlich

töten muss ...

 

 

 

verklärung

 

wie milde der kontrast!

so sanft alle ränder,

dein lächeln grau schon fast,

die farbengewänder

verschwimmen tonlos mit,

niemanden hörst du mehr

für einen herzschlag nur:

die wege sind eins,

der zauber der kontur

wirkt unglück, auch dein's -

nun würge schritt für schritt

die welt wieder her ...

 

 

 

ratten

 

ich streife durch wälder in städten

und atme ihr kunstrasengrün,

ich lausche dem sound von manhattan

und rieche die ratten verblühn

 

ich wache am grab der rendite

und weine am mahnmal der zeit,

ich suizidiere zur mitte -

ich bin die extreme so leid ...

 

 

 

winter

 

grau träumt der wald -

nur die berghänge atmen schwer

und der see spiegelt das nichts

 

fahl wartet der mond

 

warm und froh

schlägt mein herz

bis zuletzt noch

im takt ...

 

 

 

gangart

 

den weg gehen,

die gedanken stillen,

die gefühle entsichern,

die sehnsüchte ausklingen lassen -

den tod ernstnehmen,

das leben schlichten,

die gegensätze vereinen ...

 

 

 

uferlos

 

stimmen, die nach innen dringen,

uferloser streit -

abwehrkräfte, die gelingen,

einzeln statt zu zweit ...

 

blicke, die ins abseits weisen,

uferlos beschwert -

bindungskräfte, die entgleisen,

kraftlos und verzehrt ...

 

tasten ohne feingefühle,

uferlos entzweit -

kraftverluste im gewühle

der besessenheit ...

 

ahnungsvolles abschied nehmen,

uferlos entpaart -

lebenskräfte endlich zähmen

auf der letzten fahrt ...

 

 

 

glut-asche

 

wer zur lebenslüge neigt,

kann die welt nicht stützen -

wo die innre stimme schweigt,

kann kein himmel schützen

 

wer nicht vorher tiefer wägt,

reist auf unglücksrouten -

wo der Hass die liebe schlägt,

muss die sehnsucht bluten

 

wer es wie die andern macht,

wird sich selbst verlieren -

wo kein ziel mehr glut entfacht,

muss der weg erfrieren ...

 

 

 

Malta ...

 

Malta ist das jüngste Land,

das an die EU sich band:

von allen auch das südlichste,

das kleinste und ... Gemütlichste!

 

Die ältesten Gebäude standen

auf Malta, wie die Forscher fanden:

friedlicher Priesterinnen Brauch ...

vor (!) Stonehenge, vor Ägypten auch!

 

Als Handelszentrum hochgeschätzt,

war es Jahrtausende besetzt:

Phönizier schon und Römerheer

beherrschten hier das Mittelmeer.

 

Die Sprache klingt arabisch noch,

geschrieben wird's lateinisch doch:

den Staufern folgten die Normannen -

Kulturreichtum aus vollen Kannen!

 

Aragonien, Spanien - allen

schien das Juwel nun zu gefallen:

von König Alfons so genannt,

und wie auch Karl V. fand ...

 

Des Abendlandes Schutz verbürgen

vor den Piraten und den Türken -

das konnten dann die Johanniter

als segensreiche Ordensritter.

 

Napoleons Horden raubten Gold,

drum war man bald den Briten hold:

sogar im Weltkrieg, stolz und leidend,

half Maltas Widerstand entscheidend!

 

Schlussendlich frei an allen Küsten,

begehrt von immer mehr Touristen:

ein Tauch- und Wanderparadies -

Kultur, die man natürlich ließ ...!

 

 

 

rast

 

nicht wahr, wie verrückt sind doch jene minuten,

wo alles, was klein ist, uns seltsam erfaßt -

und wunderlich, nicht? jene wendung zum guten,

so abseits von zweck und von alltag und hast

 

wie mühsam der griff nach den äußeren sternen,

wie peinlich die einsicht in all den ballast -

bewusstsein, du magst wieder inhalte lernen

voll griffigkeit - und ergriffenheit fast

 

aus kurzen minuten erwachsen die längsten

gedanken, du reifst und du ahnst irgendwo,

dass jegliches wesen begabt ist zu ängsten,

und all die geschöpfe, sie sehnen sich so ...

 

 

 

winterfreude

 

außen nahm das leben kräfte,

innen gab es reich zurück -

alltag forderte geschäfte,

einkehr lieferte das glück

 

kriege ließen menschen darben,

frieden blieb ein schmaler steg -

kinder kamen, alte starben,

jeder suchte seinen weg

 

jahre, die wie stunden klettern,

erst im winter wird uns klar -

dass die tanne in den blättern

immer schon unsterblich war ...

 

 

 

patt

 

ginstergetüpfelt: molluskeln

inneneis

tod

leise weht

außenfrost

schmiegende muskeln

seelenkorpuskelverdreht

 

schmerzvoller irrklang

am werken

tod setzt uns patt

und zu spät

leben flussaufwärts zu merken

wo der

flickenmantelmann

flicken näht ...

 

 

 

Achtziger-Jahre ...

 

Wer achtzig wird, der weiß ein Lied zu singen ...

Von dem Geheimnis, das ein jeder kennt

Und doch nicht ganz begreift - vor allen Dingen,

Man kann es rein gedanklich nicht bezwingen:

Das, was man lapidar das Leben  nennt ...

 

Wer achtzig wird, ist auch mal jung gewesen

Und hat jahrzehntelang dazu gelernt -

Die Reise zahlt man selbst, mitsamt den Spesen,

Doch kann man in Erinnerungen lesen,

Was sich als nah erwies und als entfernt ...

 

Wer achtzig wird, hat mancherlei ertragen,

Was dann im Rückblick unerträglich scheint -

Da wäre noch so viel dazu zu sagen,

Nun ja, man möchte sich ja nicht beklagen:

Das Schicksal hat auch vieles gut gemeint ...

 

Wer achtzig wird, mag noch so manche Jahre

Am Baum des Lebens pflücken - ganz getrost!

Denn in der Blütenpracht der weißen Haare

Gibt man noch gerne seine Kommentare,

Nicht wahr?! - Und nun viel Glück und ... Prost!

 

 

 

Lichtung

 

Es ist ein sanftes Licht:

Das sehend macht,

Den Schleier der Erscheinung

Mild durchbricht,

 

Voll Anmut und so sacht

In der Vereinung

Der Gegensätzlichkeiten

Das Wesen klärt,

 

Es ist ein sanftes Licht

Zum Wegbereiten,

Wenn Leben still verjährt -

Mehr weiß man nicht ...

 

 

 

Tao

 

Nur im Leid erwächst gesunde

Einsicht in das stille Glück -

Nur im Schoße einer Stunde

Überrascht ein Augenblick

 

Mitten zwischen Ernst und Spiel

Geht das Leben seinen Gang -

Mitten zwischen Weg und Ziel

Eint das Tao Yin und Yang ...

 

 

 

Flügeltüren

 

Die Zukünfte öffnen die Flügeltüren:

Sie laden zu tausendfachem Gang,

Lauthälsiger Hoffnung und stillem Spüren -

In planvollem Zielen und blindem Drang ...

 

Unendlich müssen sich Sehnsüchte gabeln

Verzweigend in endlosem Labyrinth -

Wenn irdische Nöte und himmlische Fabeln

Erstreiten, wo sinnvolle Wege sind ...

 

Als mysteriöse Spurenerheller

Der niemals zuvor betretenen Bahn

Beleuchten die inneren Weichensteller

Die Gratwanderung zwischen Wunsch und Wahn ...

 

Wie schön es doch wär', wenn halb außen, halb innen

Der Pfad der Erkenntnis einen Wegweiser hätt' -

Als Logikkalkül oder Stimme tief-drinnen

Im menschlichen Zerrspiegel-Kabinett ...

 

Man weiß nicht ein Quäntchen, wohin sie führen,

Und niemand, der nicht an der Unkenntnis litt!

Die Zukünfte öffnen die Flügeltüren -

Und schließen sie blitzschnell nach jedem Schritt ...

 

 

 

Sonett der Zeit

 

Ein Band, das alle Dimensionen bindet,

Ein leiser Pfeil, der jede Botschaft trägt -

Am Ende bloß den eigenen Ast zersägt

Und nebulös im Rätselhaften schwindet

 

Dem Weg obschon ein würdevoller Rahmen,

Den jeder Liebende stets mehr ersehnt -

Der Schwermut schaurig doch und wie gedehnt,

Schlussendlich doch das Drama aller Dramen

 

Ein Leben lang ein Mahnmal allen Handelns,

Genussvoll nah und unerbittlich weit,

Mal Druck und Zwang, mal voller Seligkeit -

 

Das Los des äußren wie des innren Wandelns,

Ein rechtes Unrecht, das zum Himmel schreit -

Ein Ozean an Unbegreiflichkeit ...

 

 

 

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© Dr. Hilmar Alquiros The Philippines 2002 ff.