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Hilmar Alquiros
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1.Auflage: 1992/X by Hilmar Alquiros ( h.e.)
Beziehungs-Weise
Gedichte 1965 ff.
liebe
ich habe mich gebäumt vor schuld
und Du vor schmerz,
noch immer schenkst Du mir geduld
und nicht Dein herz
ich schlucke silbergraue tränen
in mich hinein,
ich habe mich gebäumt vor sehnen -
es sollt' nicht sein ...
kleiderbügeltango
denn der kleiderbügel
war mein schultergürtel,
und die schulter war
leicht ausgerenkt
und Dein sorgenhügel
ein familienbürdel,
und das war genauso
wie man denkt
denn das äuß're elend
war ein inn'res leiden,
und 'n katzenjammer
war's dazu
war's für beide quälend
dann gehört's auch beiden,
und nun bin ich ich
und Du bist Du ...
beziehungskiste
Du verstehst nicht,
warum ich Dich nicht
so verstehe,
wie Du es magst
Du glaubst nicht,
dass ich an Dich
glauben kann,
ohne Dir zu trauen
Du magst nicht,
dass ich verstehe,
warum Du glauben möchtest,
es läge an mir ...
auf-schluß
was fürchtest Du Dich so vor der blamage,
ein wesen voller offenheit zu sein?
aus angst vor Deiner eigenen courage
stellst Du Dir leidenschaftlich selbst ein bein
wo ist das traumhaft sichere ziel verblieben -
Du wolltest wie ein berg - und wie ein tal sein,
so kannst Du nicht einmal das lieben ... lieben,
und gerade hierin könntest Du genial sein ...!
soziogramm
nicht zwischen ich und Dir
und mein und Dich,
nicht zwischen Du und mir
und Dein und mich,
bloß zwischen uns und Euch
kann ich noch trennen -
man muss so'n wirres zeug
wohl liebe nennen ...
zweifel-los
Dein verzweifelter angriff
auf die liebe
entsprang
reiner
angst
Dein zweifelloser sieg
über die angst
entsprang
reiner
liebe
...
motto
suche ständig,
finde manchmal -
verlier' dich nie ...
entmannung
und ob ich auch zweifelte,
klagte und schrie,
im innern verletzt und
verschrammt war
erstarrte, zitterte,
schluckte und spie,
verdammte und selbst
nur verdammt war
vermehrte ich sinnlos
geknotetes leid,
geknüpft an den galgen
von gestern
nun hab' ich mich endlich
und gänzlich befreit,
so folgt mir doch nach -
liebe schwestern!
sohnschaft
zehn jahre ist es heute her,
es schmerzt, als ob es gestern wär',
dir nur verdank ich raum und zeit
und auch den sinn für... weiblichkeit -
mehr noch als worte und auch taten:
du hast mich wirklich nie verraten ...
24.5.1984
frei-schein
menschen, die sich selbst befreien
von der partnerbürde -
von gewissens-innereien,
von der sanftmut zu verzeihen,
und der menschenwürde ...
menschen, die zu tode grinsen,
was einst lieb und wert war -
geht die liebe in die binsen,
zahlt das leben zinseszinsen:
weil's halt grundverkehrt war ...
menschen, die ihr nest beschmutzen,
über leichen gehn -
alle andern nur benutzen,
ihre hoffnungsflügel stutzen -
und den weg nicht sehn ...
Geheimfach
Für jede Schwingung bist Du offen,
Für Rosenquarz und Mondenlicht,
Und Haus und Hof darf auf Dich hoffen -
Nur innen drin, das sieht man nicht ...
So faszinierend wie die Augen
Ist Deine Seelen-Innensicht,
Wie prächtig magst Du allen taugen -
Nur Dein Geheimnis sieht man nicht ...
Juwelen reifen, Jahr um Jahr,
Und spenden gar im Dunkeln Licht,
ein jeder nimmt Dich gerne wahr -
Bis auf’s Geheimste - oder nicht ...?!
Drei-Faltigkeit
Das Leben lacht mit tausend kleinen Falten
Und drückt zuweilen auch ein Auge zu,
Doch die Beziehung zwischen „Ich“ und „Du“
Zeugt neue humoristische Gewalten
Der Spaß wird ernst, wo Dreie sich beschummeln
Als seien jeweils Zweie fest ein Paar
In lauen Nächten, sagt man, werde klar,
dass sich Hormone in den Gliedern tummeln
Man greift hinein ins volle Menschenleben
Was immer möglich sei, das darf und kann sein
Und lässt den lieben Gott ‘nen guten Mann sein
Und nimmt und überlässt den anderen das Geben.
So lautet die Moral von dem Sonett:
Bleib’ cool, im Leben und erst recht im Bett ...
rücksicht
ich sehe schemenhaft Dich nur noch wie in trance,
mein fensterloses ich kennt kein entkommen -
benommenheit nur bleibt mir unbenommen,
bedroht durch selbstbezüglichkeit par excellence
verklärung als regenierung auch:
wie ruhespendend wirkt der sinn des leidens -
im schatten unsres jahrelangen scheidens
blieb die intimste nähe nur ein hauch ...
verlangen
wenn Du nach mir verlangst,
werd' ich bescheiden -
streicht da ein duft von angst
an meine saiten?
verlangen voller nichtigkeit,
bescheidung ohne sinn -
die frage scheint von wichtigkeit,
was ich Dir bin ...
impertinenz
da hat auch ohnmacht ihre grenzen
und lässt der wahrheit freien lauf -
da muss die tat das wort ergänzen,
sonst hockt die lüge obenauf
du brichst das schicksal aus den nähten
und willst noch, dass man für dich bürgt -
frisst man den fisch mitsamt den gräten,
wen könnt es wundern, dass man würgt?
endlösung
zielscheiben waren sie
am rande der lichtung,
mit kapuzen voller schweiß -
das pochen der herzen
dröhnte todessüchtig und wild,
hundert watt! lachten die blinden
und legten gefühlvoll an -
kraftlinien statt farbenklang,
radar der angst,
bis auch der letzte
der sehenden
erlösung
trank ..
verschluss-sache
meine träume bilden unsichtbare brücken
im geäst der zeit,
niemals können wunder zweimal glücken,
nie in wirklichkeit
wege, die zur sachlichkeit verführen,
ausgeträumt und klar -
viel zu spät erst werden wir verspüren,
welch ein wahn es war ...
winter-taumel
der schnee verliert sich lautlos in den dächern
und das gespenst der umkehr schleicht herum
die menschen heimeln sich an warmen bechern
und seufzen, aber wissen nicht, warum
die bäume mahnen stumm und ohne gnade
und selbst die stille tönt nun hohl und wund
die realisten finden alles denkbar schade -
und die verliebten zweifeln wieder, mund an mund ..
ein-richtung
ich bin so frei und ungeliebt,
so uferlos entpaart -
ein wort, das einen blick verschiebt,
von zärtlich erst auf hart
so ungeliebt bin ich und frei,
ein spielball der ent-trauung -
erst eins, dann zwei, dann einerlei
und fern der welt-anschauung
ob frei, ob ungeliebt: ich bin!
und fast noch heil geblieben -
vielleicht liegt ein gewisser sinn
im ungeliebten lieben ...
entwicklung
punktelisten mit systemchen
nahmen plötzlich überhand,
kommunikationsproblemchen
narrten beiderlei verstand
alltagswiderspruch entblößt sich,
nichts geht vor und nichts zurück -
doch mit einem male löst sich
Deine schlaufe und mein blick
was schon ende schien der reise,
die doch gerade erst begann -
öffnet so in gleicher weise
Dich, die frau, und mich, den mann ...
gezeitenwechsel
wir waren weiblich und wir waren männlich
und manches schöne jahr ganz unzertrennlich,
dann klopfte der vertrauensbruch ans fenster -
wo liebe geht, da kommen schreckgespenster
die nacht voll streit, am tag dann die klienten,
schon misst die liebe sich nach alimenten -
nicht die vergangenheit lockt unbeschreiblich,
die zukunft - und die ist bekanntlich .. weiblich!
nachruf
ich hatte Dir ins herz geblickt
mit worten und mit taten -
es hat uns kurze zeit erquickt,
dann hast Du's mit der angst gekriegt
und uns ganz still verraten
ich hatt' es einfach gut gemeint,
vertieft und doch erhaben -
mein innerstes mit Dir vereint,
Du hast das äußerste verneint,
nun lass es uns begraben ...
lebenslicht
ob Du nun da bist oder nicht,
ich seh' Dich jeden tag -
noch gibst Du meinem leben licht,
weil ich Dich eben mag
mein herz lässt Du oft höher schlagen
und merkst es nicht einmal -
das rollenspiel ist ein verzagen,
die wahrheit eine qual ...
spätsommer
ich habe den sommer des lebens
mit Dir verbracht,
hab' keine minute vergebens
geweint und gelacht
mal finstere zeiten durchlitten,
mal wunder gesehn -
nun sind alle bande durchschnitten,
um fortzugehn
die sehnsucht war von uns geschieden,
die zukunft liegt brach -
ich wünsch' Dir das beste - auch frieden
für den herbst und danach ...
empfindungsbrei
von weitem schau' ich meinem
entsetzen zu -
ich fühl' mich ausgeliefert,
genau wie Du
das messer der verzweiflung,
wie Du es nennst -
erstach mein letztes hoffen
wie ein gespenst
unwiederbringlichkeiten
zerstäuben sacht -
in meinem ohr verfängt sich
das lied der nacht
ein letzter tropfen wehmut
verrinnt im nu -
von innen schnürt sich langsam
die sehnsucht zu
als letzten halt versäum' ich
den todesschrei -
mein fühlen stirbt in schalem
empfindungsbrei
ein leben voller qualen
lag endlos brach
mein eignes auge grinst mir
noch lange nach ...
kursverlust
auf den wellen der absurdität
treibt verzweifelt das schiff der liebe -
wechselt den kurs von früh bis spät,
ohne dass ihm eine richtung verbliebe
auf den wogen der einsamkeit
fallen die segel der kosmischen sehnsucht -
nichts fehlt uns mehr als gemeinsamkeit,
werden, das schließlich den sinn im vergehn sucht ...
mit-leid
wie jenes floß
im meer der reue
zerschellt auch Dein gewissen
wie ankerlos
und stets aufs neue
verheulst Du Deine kissen
wie ein warum,
das mitleid hegt
versagt nun die methode
drum stirbst Du dumm
und unbewegt
noch viele tode ...
frühlingsrequiem
komm, blindes mädchen, sei unbeschwert,
schnuppere die düfte -
noch hat die liebe dich nicht verzehrt,
schwing deine hüfte
komm doch, du seltsames himmelsgrün,
spreng dein gefängnis -
schon zwischen blüten und wolkenzieh'n,
weht dein verhängnis
komm nur, du sterbliches, blindes glück,
schmerz fast zuletzt schon -
komm' nur und gib' dich dem tod zurück,
liebend-gern jetzt schon ...
abwehr-kräfte
die opfergabe sublimierung
verängstigt durch beengung,
es münden in die isolierung
verleugnung und verdrängung
ein feigenblatt des schuldgefühls
von innen her an die lende
und Dein bewusstsein teilt sich kühl
durch spanische innenwände ...
flugasche
die asche unsrer liebesglut
streift mein gesicht -
für manche dinge bin ich gut,
für andre nicht
man kann nicht einfach glücklich sein,
wenn es missfällt -
bin ich bald wieder ganz allein
auf dieser welt ...?
leidenschaft
ich dürste Deinen tränen nach
aus wut und glück -
komm' schon in unser schlafgemach,
Du mieses stück
Du kannst mich reizen bis aufs blut
und mich so kränken -
und doch kann ich mich teuflisch gut
in Dir versenken
Du kannst mich zur verzweiflung treiben
so wild und bang -
doch möcht' ich mich Dir einverleiben
ein leben lang ...
spät-folgen
noch ist es hangeln, griff um griff,
in allen meinen briefen -
bald heißt es springen, hoch vom riff
in todesmutige tiefen
noch ist es warten, voll geduld,
die bindung einer reise -
bald heißt es lösen ohne schuld,
ganz einsam, reif und leise
noch ist es lieben, jener hauch,
den niemand ganz errät -
heißt es bald sterben, tief im bauch?
noch ist es nicht zu spät ...
betroffenheit
alles pulsen greift ins leere
möcht' ich der gedankensphäre
fundament sein -
liebeslust wird zu chimäre,
leichtsinn wird zur erdenschwere
im getrennt-sein
alles sterben greift ins leben,
übernehmen, übergeben
und ein hoffen -
und so macht das lustbestreben
noch im letzten seufzer eben
echt betroffen ...
neuwahlen
in der distanz des neuen mutes
erkennt man leicht, was schwerer wiegt,
die leidenschaft des bösen blutes
verliert sich, wo die liebe siegt
das kernstück aller neubelebung
heißt: keine suche mehr nach schuld,
befreiung ist schon halb vergebung,
die andre hälfte heißt - geduld
bei aller redlichkeit und reinheit
plagt doch ein zweifel kopf und bauch:
vergebung kennt noch eine feinheit -
die frage nämlich ... Du mir auch ?!
wir
einmal im leben war ich glücklich,
ganz tief von innen, ganz und gar -
dann drang der alltag unerquicklich
in das, was unsre liebe war
das leben lebt von kompromissen?
ich möchte, dass Du bei mir bist -
und denke hin- und hergerissen
an das, was unsre liebe ist
wo soll ich noch ein wort entlehnen
für das, was mir im schädel schwirrt -
es bleibt ein hoffnungsfrohes sehnen,
was wohl aus unsrer liebe wird ...?
danach
die hand, die Deine hand
ergriffen hatte,
ist frei
das leid, das auch Dein leid
entziffert hatte,
vorbei
die welt, die Deine welt
im innersten
durchwühlte
der geist, der Deinen geist
unendlich nahe
fühlte
die lust, die Deine lust
ehrfürchtig fast
umwarb
der schmerz, der wie Dein schmerz
so mir nichts Dir nichts
starb ...
see-beben
da schäumt es und rauscht es und wirft sich heran,
als ob es nichts besseres wüsste -
auch hier zieht das meer uns in seinen bann,
im schonraum der belgischen küste
schon lullt uns das lärmende strandleben ein,
erwachen vertraute gelüste -
man sinkt in die mitte des lebens hinein,
als ob man nichts anderes wüsste ...
gleichheits-zeichen
lass mich Dir Dein haar zerzausen,
aber häng' Dich nicht an mich -
gönn' mir ein, zwei atempausen,
denk' daran - ich bin auch ich .. .
lass mich Deine größe schauen,
treibe keine schulden ein -
schenke mir Dein urvertrauen,
lass mich auch ich selber sein ...
finde mich auch ruhig mal gräßlich,
deck' nicht meine fehler zu -
sei nicht so partout verlässlich,
denk' daran - Du bist auch Du ...
gib der zukunft eine chance,
schlaf' nicht ein wie hinz und kunz -
gönn' uns beiden die balance
zwischen Dir und mir und uns ...
glück
glück aus innersten gefilden
muss nach ausdruck ringen -
darf von sanften und von wilden
liebesliedern singen ...
glück aus beider wesenskernen
kann sich nur ertragen,
mag es neue formen lernen,
höchste lust zu wagen ...
glück aus ungeahnten quellen,
ewig neu zu speisen -
darf in dunklen und in hellen
zeiten sich beweisen ...
glück kann raum und zeit verrücken
und den weg befrei'n -
uferlos ein paar beglücken
und sein tao sein ...
bleib
ich liebe Dich schon im erwachen
und eigentlich den ganzen tag,
den ernst an Dir und auch Dein lachen -
und was ich sonst noch an Dir mag ...
zwar war Dein blick zuweilen linder,
doch bleibst Du immer wunderbar,
ich liebe Dich kein quäntchen minder -
bleib' da, geliebte, bleib' doch da ...
himmelskörper
die sonne quält sich durchs gebüsch
und wächst im untergang -
das leben scheint oft fürchterlich
in seinem blinden drang
der mond ist noch einmal so nett
und rückt an ihre stelle -
und leuchtet unsrem liebesbett
mit sonnenhafter helle
die sterne wechseln tag und nacht
das glück auch mit den jahren -
wird uns der schutz der himmelsmacht
noch einmal widerfahren?
nur, wenn wir unisono ihn
aus beiden kehlen rufen,
gelingt uns leicht, was schwerlich schien
in sanften seelenstufen ...
reise-ziele
nach Paris und nach Versailles
ungeklärtes streben -
eilig huscht die zeit vorbei,
seltsam wie das leben
ungebunden - mit dem bus
fast zu freundschaftspreisen -
zwischen tränen und genuss
in die zukunft reisen
in den straßen, im bistro:
menschliches gewühle -
überall und nirgendwo
ewige gefühle
fahrt in die vergangenheit
und in zukunftszeiten -
lassen einzeln und zu zweit
blick und seele weiten
welcher anfang, wo das ziel,
das mir noch verbliebe -
wohin geht der lebensstil,
wohin fährt die liebe ...?!
nähe
nähe - ohne fernzulenken,
freundschaft - ehrlich auf die hand -
lass mich aber selber denken,
raub' mir nicht noch den verstand
nähe - wenn es darauf ankommt,
bleib doch, wenn ich sage: geh' -
und weil jeder einmal drankommt,
gilt für mich der gleiche dreh
nähe - wie die erde da ist,
wenn der blitz den wald verwirrt -
unbegreiflichkeit, die nah ist,
wenn der schmerz begriffen wird ...
zeitreise
wanderung ins nächste jahr,
liebe kann auch mut sein -
sag' mir nicht, was gestern war,
wozu soll das gut sein
schritte, die man nie vergisst,
nicht in kopf und bauch -
sag' mir nicht, was heute ist,
denn das seh' ich auch
wege, die man unbeirrt
geht, entlang den klippen -
sag' mir nicht, was morgen wird
zwischen unseren lippen ...
abschied
ewig wird die liebe schwelen,
tief und wund -
fürchterlich wirst Du mir fehlen,
blick und mund
endlos werd' ich Dich betrauern
schmerzbewusst -
eingeschnürt von all den schauern
stiller lust
einsam durch der lebenswunden
todesdrang -
unerträglich die sekunden
lebenslang
schrecklich werd' ich Dich vermissen,
oft beweint -
lass mich Dich zum abschied küssen,
tief vereint ...
endstation
wege, die ins abseits führen,
fern von jedem sinn -
plötzlich ein geheimes spüren,
wem ich nahe bin
wege, die beenden dürfen,
was so froh begann -
allerletztes liebe-schlürfen
zwischen frau und mann
wege, die verzweifelt wissen,
wie das glück zerfiel -
ahnungsvolles seelenküssen
vor dem letzten ziel
wege, die unendlich leiden,
bis ich fliehen muss -
schutzbedürfnisse von beiden
bis zum letzten kuss ...
frei-verkehr...
ich wünsche Dir, die innere kraft zu stärken -
sie nur allein gibt uns den mut zurück
zur einheit und zu echten liebeswerken,
mit einem wort - zum seelenfunkenglück ...
ich wünsche Dir, mit freude auszureifen,
was schon so lang in Deinem wesen ruht,
vielleicht wirst Du mich eines tags begreifen,
vielleicht wird eines tages alles gut ...
ich wünsche Dir, den eignen weg zu finden,
in Dir zu ruh'n, wo immer das auch sei -
wir wollen uns nicht aneinander binden,
doch magst Du mir begegnen ... fühl’ Dich frei!
reise-ziele
nach der krise, frank und frei,
ungeklärtes streben -
eilig huscht die zeit vorbei,
seltsam wie das leben
ungebunden, mit dem bus
fast zu freundschaftspreisen -
zwischen tränen und genuß
in die zukunft reisen
in den straßen, im bistro:
menschliches gewühle -
überall und nirgendwo
ewige gefühle
fahrt in die vergangenheit
und in zukunftszeiten -
lassen einzeln und zu zweit
blick und seele weiten
welcher anfang, wo das ziel,
das mir noch verbliebe -
wohin geht der lebensstil,
wohin führt die liebe ...?!
geräusche
kettenrasseln
durch die träume
von freiheit
matratzenspuk
in der tragik
des scheiterns ...
wüstenschnee
die große reine linie scheint gebrochen,
fatal die bräune Deines bleichgesichts -
den braten hab ich lange schon gerochen
trotz meines körnerfresser-gleichgewichts
im samen einer wüste schimmert schnee -
wem nützt das vampirieren einer minne,
die liebe schmeckt so gut wie eh und je:
der sinn des lebens ist das leben aller sinne!
abreise
ich verlasse Dich,
durchfliege wieder
Deine identität,
Dein seelenorchester,
Deine hände,
Deine soziale haut -
ich verlasse Dich
auf meinem weg
zu Dir ...
Streit-Wert ...
Nach allem Streiten
Ist Ruh' -
In all den Zeiten
Spürtest Du
Machtvolle Triebe,
Das Umweggetrampel verhallt schon -
Warte nur, bald schon
Siegt doch noch die Liebe ...
vorzeichen
mein blick schweift beunruhigt
über Dein wunderschönes haar,
über die silhouette Deiner anmut
und jene dunklen berghänge auch,
die uns das unfassbare ahnen lassen,
obschon uns das duftende glück noch betört ...
mein blick scheint getrübt
unter den tränen verzehrender sehnsucht,
unter der sinfonischen gewalt der einsamkeit
und jener tiefen einsicht auch
in den sinn allen sinnwidrigen wandels,
obschon uns der hauch der unsterblichkeit noch gehört ...
versöhnung
wo man fehler nicht vergibt,
ist kein ort des lebens -
jeder tag, den man nicht liebt,
ist vergebens
wo man andre nicht versteht,
bleibt man selbst alleine -
was man inniglich begeht,
kommt ins reine
wo der gute wille fehlt,
folgt bald die verhöhnung -
nur von innen her beseelt
winkt versöhnung ...
Zuflucht
Da ich es auf den Himmel schiebe,
der echte Begegnung sät –
zum Beispiel geschwisterliche Liebe
und Spiritualität ...
Und da wir uns nicht mehr sehen werden,
abschiedslos, aber verlinkt –
bleib’ ich Dein Guardian Angel auf Erden,
der mit dem Tao winkt ...
Ein-Stimmung
Manche zieht es zu den Seelen,
Andre mehr zum Leib -
Ratsam, beides zu vermählen,
Ist’s für Mann und Weib ...
Auch das Ihre zu dem Seinen
Nach gemeinsamem Geschick -
Nicht entzweien, nein: vereinen,
Eins-Sein - manchmal! - heißt der Trick ...
Magic
A day like other days, free of sensation,
Between two nights, so far from yesterday -
But there’s a scent of magic at that station:
Which train is right and what is our way?
A night like other nights, but so impressed
By tender feelings after fancy hours -
There sounds a cheerful tune within my chest
The spring is coming and the march is ours ...
Göttergunst
Andere zeigen ihre Wut
oder ihren Neid bloß -
uns dagegen geht es gut,
innerlich und zeitlos …
Andere laufen gegen Wände,
stumm und unversöhnt -
wir ergreifen unsere Hände
und das Leben strömt …
Massen, die alleine sind,
oder überlastet -
Deine Locken grüßt der Wind
und die Seele rastet …
Eifrig irren sie umher,
andere zu verdammen -
uns jedoch fehlt gar nichts mehr
als viel Zeit zusammen …
Geister, die nur Leiber seien,
tönen all die Spötter -
Du und ich jedoch, wir leihen
uns die Gunst der Götter …
Kreisverkehr
Wie der Phönix aus der Asche
Wächst die Liebe immer neu,
Doch das Glück, das ich erhasche,
Bleibt mir selten lange treu ...
Denn der Virus der Routine
Greift die Unbedachtheit an -
Und mit rätselhafter Miene
Endet manche Liebe dann ...
Ja, das Glück hat 'was Gemeines,
Das Verliebtheit nie empfand -
Denn gewisslich scheint doch eines:
Nur der Wandel hat Bestand ...
Auch der Reife irrt nicht minder,
Alle Leidenschaft macht blind-
Weil wir niemals wieder Kinder
Und nie ganz
Augenpaare, die zwei Tigern gleich
erwachsen sind ...
Doch zuweilen bilden Triebe
Einen wundersamen Kreis:
Nur die eine Große Liebe
Endet nie, wie jeder weiß ...
Wenn Du Dir
ein Herz fasst und es ist auch noch
zufällig meines und Du fasst Dir noch ein Herz
und sagst es mir, was Du Dir wünscht, dass
Du fühlst, wie Dein Herz sich so gerne
an das meine kuschelt, dann bin
ich sofort und ganz und gar
und ganz zweifelsfrei
Glücklich
...
Schnee
Schneeflocken fallen sacht und unaufdringlich
In jenen tiefen Schoß, der Erde heißt -
Und Worte fallen so unwiederbringlich,
Bis lautes Schweigen alles niederreißt
Schneekristalle glitzern zaubersam,
Erzählen raunend aus der Welt des Lichts -
Und Deine Augen glitzern feucht und warm:
Sie wissen alles, doch Dein Mund sagt nichts
Schneewehen lösen Zeit und Raum auf,
Du suchst nach Worten, doch Du findest keins -
Und neue Rätsel tauchen Dir im Traum auf:
Und Wort und Stille, Licht und Nacht sind eins ...
Insgeheim
Geheimnisvolles Blätterrauschen,
Als ob der Himmel sich verneigt -
Denn alle Kreaturen lauschen,
Wo das erhabne Eine schweigt
Geheimnisvolles Seelenspüren
Ob Du nun nah bist oder weit -
Nun öffnen sich die schweren Türen
Zur Welt der Unergründlichkeit
Geheimnisvolle innre Stimmen,
Sie flüstern, was noch niemand glaubt -
Und Hoffnungen, die Weiterglimmen
Nach Dir und uns und überhaupt
Geheimnisvolles Insgeheim -
Kurz vor der Überwindung,
Legt nun mein Liebestod den Keim
Zur ewigen Verbindung ...
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