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1.Auflage: 1992/X by Hilmar Alquiros ( h.e.)

 

 

 

Beziehungs-Weise

 

Gedichte 1965 ff.

 

 

liebe

 

ich habe mich gebäumt vor schuld

und Du vor schmerz,

noch immer schenkst Du mir geduld

und nicht Dein herz

 

ich schlucke silbergraue tränen

in mich hinein,

ich habe mich gebäumt vor sehnen -

es sollt' nicht sein ...

 

 

 

kleiderbügeltango

 

denn der kleiderbügel

war mein schultergürtel,

und die schulter war

leicht ausgerenkt

 

und Dein sorgenhügel

ein familienbürdel,

und das war genauso

wie man denkt

 

denn das äuß're elend

war ein inn'res leiden,

und 'n katzenjammer

war's dazu

 

war's für beide quälend

dann gehört's auch beiden,

und nun bin ich ich

und Du bist Du ...

 

 

 

beziehungskiste

 

Du verstehst nicht,

warum ich Dich nicht

so verstehe,

wie Du es magst

 

Du glaubst nicht,

dass ich an Dich

glauben kann,

ohne Dir zu trauen

 

Du magst nicht,

dass ich verstehe,

warum Du glauben möchtest,

es läge an mir ...

 

 

 

auf-schluß

 

was fürchtest Du Dich so vor der blamage,

ein wesen voller offenheit zu sein?

aus angst vor Deiner eigenen courage

stellst Du Dir leidenschaftlich selbst ein bein

 

wo ist das traumhaft sichere ziel verblieben -

Du wolltest wie ein berg - und wie ein tal sein,

so kannst Du nicht einmal das lieben ... lieben,

und gerade hierin könntest Du genial sein ...!

 

 

 

soziogramm

 

nicht zwischen ich und Dir

und mein und Dich,

nicht zwischen Du und mir

und Dein und mich,

 

bloß zwischen uns und Euch

kann ich noch trennen -

man muss so'n wirres zeug

wohl liebe nennen ...

 

 

 

zweifel-los

 

Dein verzweifelter angriff

auf die liebe

entsprang

reiner

angst

 

Dein zweifelloser sieg

über die angst

entsprang

reiner

liebe

...

 

 

 

motto

 

suche ständig,

finde manchmal -

verlier' dich nie ...

 

 

 

entmannung

 

und ob ich auch zweifelte,

klagte und schrie,

im innern verletzt und

verschrammt war

 

erstarrte, zitterte,

schluckte und spie,

verdammte und selbst

nur verdammt war

 

vermehrte ich sinnlos

geknotetes leid,

geknüpft an den galgen

von gestern

 

nun hab' ich mich endlich

und gänzlich befreit,

so folgt mir doch nach -

liebe schwestern!

 

 

 

sohnschaft

 

zehn jahre ist es heute her,

es schmerzt, als ob es gestern wär',

dir nur verdank ich raum und zeit

und auch den sinn für... weiblichkeit -

mehr noch als worte und auch taten:

du hast mich wirklich nie verraten ...

 

24.5.1984

 

 

 

frei-schein

 

menschen, die sich selbst befreien

von der partnerbürde -

von gewissens-innereien,

von der sanftmut zu verzeihen,

und der menschenwürde ...

 

menschen, die zu tode grinsen,

was einst lieb und wert war -

geht die liebe in die binsen,

zahlt das leben zinseszinsen:

weil's halt grundverkehrt war ...

 

menschen, die ihr nest beschmutzen,

über leichen gehn -

alle andern nur benutzen,

ihre hoffnungsflügel stutzen -

und den weg nicht sehn ...

 

 

 

Geheimfach

 

Für jede Schwingung bist Du offen,

Für Rosenquarz und Mondenlicht,

Und Haus und Hof darf auf Dich hoffen -

Nur innen drin, das sieht man nicht ...

 

So faszinierend wie die Augen

Ist Deine Seelen-Innensicht,

Wie prächtig magst Du allen taugen -

Nur Dein Geheimnis sieht man nicht ...

 

Juwelen reifen, Jahr um Jahr,

Und spenden gar im Dunkeln Licht,

ein jeder nimmt Dich gerne wahr -

Bis auf’s Geheimste - oder nicht ...?!

 

 

 

Drei-Faltigkeit

 

Das Leben lacht mit tausend kleinen Falten

Und drückt zuweilen auch ein Auge zu,

Doch die Beziehung zwischen „Ich“ und „Du“

Zeugt neue humoristische Gewalten

 

Der Spaß wird ernst, wo Dreie sich beschummeln

Als seien jeweils Zweie fest ein Paar

In lauen Nächten, sagt man, werde klar,

dass sich Hormone in den Gliedern tummeln

 

Man greift hinein ins volle Menschenleben

Was immer möglich sei, das darf und kann sein

Und lässt den lieben Gott ‘nen guten Mann sein

 

Und nimmt und überlässt den anderen das Geben.

So lautet die Moral von dem Sonett:

Bleib’ cool, im Leben und erst recht im Bett ...

 

 

 

rücksicht

 

ich sehe schemenhaft Dich nur noch wie in trance,

mein fensterloses ich kennt kein entkommen -

benommenheit nur bleibt mir unbenommen,

bedroht durch selbstbezüglichkeit par excellence

 

verklärung als regenierung auch:

wie ruhespendend wirkt der sinn des leidens -

im schatten unsres jahrelangen scheidens

blieb die intimste nähe nur ein hauch ...

 

 

 

verlangen

 

wenn Du nach mir verlangst,

  werd' ich bescheiden -

streicht da ein duft von angst

  an meine saiten?

 

verlangen voller nichtigkeit,

  bescheidung ohne sinn -

die frage scheint von wichtigkeit,

  was ich Dir bin ...

 

 

 

impertinenz

 

da hat auch ohnmacht ihre grenzen

und lässt der wahrheit freien lauf -

da muss die tat das wort ergänzen,

sonst hockt die lüge obenauf

 

du brichst das schicksal aus den nähten

und willst noch, dass man für dich bürgt -

frisst man den fisch mitsamt den gräten,

wen könnt es wundern, dass man würgt?

 

 

 

endlösung

 

zielscheiben waren sie

am rande der lichtung,

mit kapuzen voller schweiß -

das pochen der herzen

dröhnte todessüchtig und wild,

hundert watt! lachten die blinden

und legten gefühlvoll an -

kraftlinien statt farbenklang,

radar der angst,

bis auch der letzte

der sehenden

erlösung

trank ..

 

 

 

verschluss-sache

 

meine träume bilden unsichtbare brücken

im geäst der zeit,

niemals können wunder zweimal glücken,

nie in wirklichkeit

 

wege, die zur sachlichkeit verführen,

ausgeträumt und klar -

viel zu spät erst werden wir verspüren,

welch ein wahn es war ...

 

 

 

winter-taumel

 

der schnee verliert sich lautlos in den dächern

und das gespenst der umkehr schleicht herum

die menschen heimeln sich an warmen bechern

und seufzen, aber wissen nicht, warum

 

die bäume mahnen stumm und ohne gnade

und selbst die stille tönt nun hohl und wund

die realisten finden alles denkbar schade -

und die verliebten zweifeln wieder, mund an mund ..

 

 

 

ein-richtung

 

ich bin so frei und ungeliebt,

so uferlos entpaart -

ein wort, das einen blick verschiebt,

von zärtlich erst auf hart

 

so ungeliebt bin ich und frei,

ein spielball der ent-trauung -

erst eins, dann zwei, dann einerlei

und fern der welt-anschauung

 

ob frei, ob ungeliebt: ich bin!

und fast noch heil geblieben -

vielleicht liegt ein gewisser sinn

im ungeliebten lieben ...

 

 

 

entwicklung

 

punktelisten mit systemchen

  nahmen plötzlich überhand,

kommunikationsproblemchen

  narrten beiderlei verstand

 

alltagswiderspruch entblößt sich,

  nichts geht vor und nichts zurück -

doch mit einem male löst sich

  Deine schlaufe und mein blick

 

was schon ende schien der reise,

  die doch gerade erst begann -

öffnet so in gleicher weise

  Dich, die frau, und mich, den mann ...

 

 

 

gezeitenwechsel

 

wir waren weiblich und wir waren männlich

und manches schöne jahr ganz unzertrennlich,

dann klopfte der vertrauensbruch ans fenster -

wo liebe geht, da kommen schreckgespenster

 

die nacht voll streit, am tag dann die klienten,

schon misst die liebe sich nach alimenten -

nicht die vergangenheit lockt unbeschreiblich,

die zukunft - und die ist bekanntlich .. weiblich!

 

 

 

nachruf

 

ich hatte Dir ins herz geblickt

mit worten und mit taten -

es hat uns kurze zeit erquickt,

dann hast Du's mit der angst gekriegt

und uns ganz still verraten

 

ich hatt' es einfach gut gemeint,

vertieft und doch erhaben -

mein innerstes mit Dir vereint,

Du hast das äußerste verneint,

nun lass es uns begraben ...

 

 

 

lebenslicht

 

ob Du nun da bist oder nicht,

ich seh' Dich jeden tag -

noch gibst Du meinem leben licht,

weil ich Dich eben mag

 

mein herz lässt Du oft höher schlagen

und merkst es nicht einmal -

das rollenspiel ist ein verzagen,

die wahrheit eine qual ...

 

 

 

spätsommer

 

ich habe den sommer des lebens

mit Dir verbracht,

hab' keine minute vergebens

geweint und gelacht

 

mal finstere zeiten durchlitten,

mal wunder gesehn -

nun sind alle bande durchschnitten,

um fortzugehn

 

die sehnsucht war von uns geschieden,

die zukunft liegt brach -

ich wünsch' Dir das beste - auch frieden

für den herbst und danach ...

 

 

 

empfindungsbrei

 

von weitem schau' ich meinem

  entsetzen zu -

ich fühl' mich ausgeliefert,

  genau wie Du

 

das messer der verzweiflung,

  wie Du es nennst -

erstach mein letztes hoffen

  wie ein gespenst

 

unwiederbringlichkeiten

  zerstäuben sacht -

in meinem ohr verfängt sich

  das lied der nacht

 

ein letzter tropfen wehmut

  verrinnt im nu -

von innen schnürt sich langsam

  die sehnsucht zu

 

als letzten halt versäum' ich

  den todesschrei -

mein fühlen stirbt in schalem

  empfindungsbrei

 

ein leben voller qualen

  lag endlos brach

mein eignes auge grinst mir

  noch lange nach ...

 

 

 

kursverlust

 

auf den wellen der absurdität

treibt verzweifelt das schiff der liebe -

wechselt den kurs von früh bis spät,

ohne dass ihm eine richtung verbliebe

 

auf den wogen der einsamkeit

fallen die segel der kosmischen sehnsucht -

nichts fehlt uns mehr als gemeinsamkeit,

werden, das schließlich den sinn im vergehn sucht ...

 

 

 

mit-leid

 

wie jenes floß

  im meer der reue

    zerschellt auch Dein gewissen

 

wie ankerlos

  und stets aufs neue

    verheulst Du Deine kissen

 

wie ein warum,

  das mitleid hegt

    versagt nun die methode

 

drum stirbst Du dumm

  und unbewegt

    noch viele tode ...

 

 

 

frühlingsrequiem

 

komm, blindes mädchen, sei unbeschwert,

schnuppere die düfte -

noch hat die liebe dich nicht verzehrt,

schwing deine hüfte

 

komm doch, du seltsames himmelsgrün,

spreng dein gefängnis -

schon zwischen blüten und wolkenzieh'n,

weht dein verhängnis

 

komm nur, du sterbliches, blindes glück,

schmerz fast zuletzt schon -

komm' nur und gib' dich dem tod zurück,

liebend-gern jetzt schon ...

 

 

 

abwehr-kräfte

 

die opfergabe sublimierung

verängstigt durch beengung,

es münden in die isolierung

verleugnung und verdrängung

 

ein feigenblatt des schuldgefühls

von innen her an die lende

und Dein bewusstsein teilt sich kühl

durch spanische innenwände ...

 

 

 

flugasche

 

die asche unsrer liebesglut

  streift mein gesicht -

für manche dinge bin ich gut,

  für andre nicht

 

man kann nicht einfach glücklich sein,

  wenn es missfällt -

bin ich bald wieder ganz allein

  auf dieser welt ...?

 

 

 

leidenschaft

 

ich dürste Deinen tränen nach

aus wut und glück -

komm' schon in unser schlafgemach,

 Du mieses stück

 

Du kannst mich reizen bis aufs blut

und mich so kränken -

und doch kann ich mich teuflisch gut

in Dir versenken

 

Du kannst mich zur verzweiflung treiben

so wild und bang -

doch möcht' ich mich Dir einverleiben

ein leben lang ...

 

 

 

spät-folgen

 

noch ist es hangeln, griff um griff,

  in allen meinen briefen -

bald heißt es springen, hoch vom riff

  in todesmutige tiefen

 

noch ist es warten, voll geduld,

  die bindung einer reise -

bald heißt es lösen ohne schuld,

  ganz einsam, reif und leise

 

noch ist es lieben, jener hauch,

  den niemand ganz errät -

 heißt es bald sterben, tief im bauch?

noch ist es nicht zu spät ...

 

 

 

betroffenheit

 

alles pulsen greift ins leere

möcht' ich der gedankensphäre

fundament sein -

liebeslust wird zu chimäre,

leichtsinn wird zur erdenschwere

im getrennt-sein

 

alles sterben greift ins leben,

übernehmen, übergeben

und ein hoffen -

und so macht das lustbestreben

noch im letzten seufzer eben

echt betroffen ...

 

 

 

neuwahlen

 

in der distanz des neuen mutes

erkennt man leicht, was schwerer wiegt,

die leidenschaft des bösen blutes

verliert sich, wo die liebe siegt

 

das kernstück aller neubelebung

heißt: keine suche mehr nach schuld,

befreiung ist schon halb vergebung,

die andre hälfte heißt - geduld

 

bei aller redlichkeit und reinheit

plagt doch ein zweifel kopf und bauch:

vergebung kennt noch eine feinheit -

die frage nämlich ... Du mir auch ?!

 

 

 

wir

 

einmal im leben war ich glücklich,

  ganz tief von innen, ganz und gar -

dann drang der alltag unerquicklich

  in das, was unsre liebe war

 

das leben lebt von kompromissen?

  ich möchte, dass Du bei mir bist -

und denke hin- und hergerissen

  an das, was unsre liebe ist

 

wo soll ich noch ein wort entlehnen

  für das, was mir im schädel schwirrt -

es bleibt ein hoffnungsfrohes sehnen,

  was wohl aus unsrer liebe wird ...?

 

 

 

danach

 

die hand, die Deine hand

ergriffen hatte,

ist frei

 

das leid, das auch Dein leid

entziffert hatte,

vorbei

 

die welt, die Deine welt

im innersten

durchwühlte

 

der geist, der Deinen geist

unendlich nahe

fühlte

 

die lust, die Deine lust

ehrfürchtig fast

umwarb

 

der schmerz, der wie Dein schmerz

so mir nichts Dir nichts

starb ...

 

 

 

see-beben

 

da schäumt es und rauscht es und wirft sich heran,

als ob es nichts besseres wüsste -

auch hier zieht das meer uns in seinen bann,

im schonraum der belgischen küste

 

schon lullt uns das lärmende strandleben ein,

erwachen vertraute gelüste -

man sinkt in die mitte des lebens hinein,

als ob man nichts anderes wüsste ...

 

 

 

gleichheits-zeichen

 

lass mich Dir Dein haar zerzausen,

aber häng' Dich nicht an mich -

gönn' mir ein, zwei atempausen,

denk' daran - ich bin auch ich .. .

 

lass mich Deine größe schauen,

treibe keine schulden ein -

schenke mir Dein urvertrauen,

lass mich auch ich selber sein ...

 

finde mich auch ruhig mal gräßlich,

deck' nicht meine fehler zu -

sei nicht so partout verlässlich,

denk' daran - Du bist auch Du ...

 

gib der zukunft eine chance,

schlaf' nicht ein wie hinz und kunz -

gönn' uns beiden die balance

zwischen Dir und mir und uns ...

 

 

 

glück

 

glück aus innersten gefilden

muss nach ausdruck ringen -

darf von sanften und von wilden

liebesliedern singen ...

 

glück aus beider wesenskernen

kann sich nur ertragen,

mag es neue formen lernen,

höchste lust zu wagen ...

 

glück aus ungeahnten quellen,

ewig neu zu speisen -

darf in dunklen und in hellen

zeiten sich beweisen ...

 

glück kann raum und zeit verrücken

und den weg befrei'n -

uferlos ein paar beglücken

und sein tao sein ...

 

 

 

bleib

 

ich liebe Dich schon im erwachen

und eigentlich den ganzen tag,

den ernst an Dir und auch Dein lachen -

und was ich sonst noch an Dir mag ...

 

zwar war Dein blick zuweilen linder,

doch bleibst Du immer wunderbar,

ich liebe Dich kein quäntchen minder -

bleib' da, geliebte, bleib' doch da ...

 

 

 

himmelskörper

 

die sonne quält sich durchs gebüsch

und wächst im untergang -

das leben scheint oft fürchterlich

in seinem blinden drang

 

der mond ist noch einmal so nett

und rückt an ihre stelle -

und leuchtet unsrem liebesbett

mit sonnenhafter helle

 

die sterne wechseln tag und nacht

das glück auch mit den jahren -

wird uns der schutz der himmelsmacht

noch einmal widerfahren?

 

nur, wenn wir unisono ihn

aus beiden kehlen rufen,

gelingt uns leicht, was schwerlich schien

in sanften seelenstufen ...

 

 

 

reise-ziele

 

nach Paris und nach Versailles

ungeklärtes streben -

eilig huscht die zeit vorbei,

seltsam wie das leben

 

ungebunden - mit dem bus

fast zu freundschaftspreisen -

zwischen tränen und genuss

in die zukunft reisen

 

in den straßen, im bistro:

menschliches gewühle -

überall und nirgendwo

ewige gefühle

 

fahrt in die vergangenheit

und in zukunftszeiten -

lassen einzeln und zu zweit

blick und seele weiten

 

welcher anfang, wo das ziel,

das mir noch verbliebe -

wohin geht der lebensstil,

wohin fährt die liebe ...?!

 

 

 

nähe

 

nähe - ohne fernzulenken,

freundschaft - ehrlich auf die hand -

lass mich aber selber denken,

raub' mir nicht noch den verstand

 

nähe - wenn es darauf ankommt,

bleib doch, wenn ich sage: geh' -

und weil jeder einmal drankommt,

gilt für mich der gleiche dreh

 

nähe - wie die erde da ist,

wenn der blitz den wald verwirrt -

unbegreiflichkeit, die nah ist,

wenn der schmerz begriffen wird ...

 

 

 

zeitreise

 

wanderung ins nächste jahr,

liebe kann auch mut sein -

sag' mir nicht, was gestern war,

wozu soll das gut sein

 

schritte, die man nie vergisst,

nicht in kopf und bauch -

sag' mir nicht, was heute ist,

denn das seh' ich auch

 

wege, die man unbeirrt

geht, entlang den klippen -

sag' mir nicht, was morgen wird

zwischen unseren lippen ...

 

 

 

abschied

 

ewig wird die liebe schwelen,

tief und wund -

fürchterlich wirst Du mir fehlen,

blick und mund

 

endlos werd' ich Dich betrauern

schmerzbewusst -

eingeschnürt von all den schauern

stiller lust

 

einsam durch der lebenswunden

todesdrang -

unerträglich die sekunden

lebenslang

 

schrecklich werd' ich Dich vermissen,

oft beweint -

lass mich Dich zum abschied küssen,

tief vereint ...

 

 

 

endstation

 

wege, die ins abseits führen,

fern von jedem sinn -

plötzlich ein geheimes spüren,

wem ich nahe bin

 

wege, die beenden dürfen,

was so froh begann -

allerletztes liebe-schlürfen

zwischen frau und mann

 

wege, die verzweifelt wissen,

wie das glück zerfiel -

ahnungsvolles seelenküssen

vor dem letzten ziel

 

wege, die unendlich leiden,

bis ich fliehen muss -

schutzbedürfnisse von beiden

bis zum letzten kuss ...

 

 

 

frei-verkehr...

 

ich wünsche Dir, die innere kraft zu stärken -

sie nur allein gibt uns den mut zurück

zur einheit und zu echten liebeswerken,

mit einem wort - zum seelenfunkenglück ...

 

ich wünsche Dir, mit freude auszureifen,

was schon so lang in Deinem wesen ruht,

vielleicht wirst Du mich eines tags begreifen,

vielleicht wird eines tages alles gut ...

 

ich wünsche Dir, den eignen weg zu finden,

in Dir zu ruh'n, wo immer das auch sei -

wir wollen uns nicht aneinander binden,

doch magst Du mir begegnen ... fühl’ Dich frei!

 

 

 

reise-ziele

 

nach der krise, frank und frei, 

ungeklärtes streben -

eilig huscht die zeit vorbei,

seltsam wie das leben

 

ungebunden, mit dem bus

fast zu freundschaftspreisen -

zwischen tränen und genuß

in die zukunft reisen

 

in den straßen, im bistro:

menschliches gewühle -

überall und nirgendwo

ewige gefühle

 

fahrt in die vergangenheit

und in zukunftszeiten -

lassen einzeln und zu zweit

blick und seele weiten

 

welcher anfang, wo das ziel,

das mir noch verbliebe -

wohin geht der lebensstil,

wohin führt die liebe ...?!

 

 

 

geräusche

 

kettenrasseln

durch die träume

von freiheit

 

matratzenspuk

in der tragik

des scheiterns ...

 

 

 

wüstenschnee

 

die große reine linie scheint gebrochen,

fatal die bräune Deines bleichgesichts -

den braten hab ich lange schon gerochen

trotz meines körnerfresser-gleichgewichts

 

im samen einer wüste schimmert schnee -

wem nützt das vampirieren einer minne,

die liebe schmeckt so gut wie eh und je:

der sinn des lebens ist das leben aller sinne!

 

 

 

abreise

 

ich verlasse Dich,

durchfliege wieder

Deine identität,

Dein seelenorchester,

 

Deine hände,

Deine soziale haut -

ich verlasse Dich

auf meinem weg

zu Dir ...

 

 

 

Streit-Wert ...

 

Nach allem Streiten

Ist Ruh' -

In all den Zeiten

Spürtest Du

Machtvolle Triebe,

Das Umweggetrampel verhallt schon -

Warte nur, bald schon

Siegt doch noch die Liebe ...

 

 

 

vorzeichen

 

mein blick schweift beunruhigt

über Dein wunderschönes haar,

über die silhouette Deiner anmut

und jene dunklen berghänge auch,

die uns das unfassbare ahnen lassen,

obschon uns das duftende glück noch betört ...

 

mein blick scheint getrübt

unter den tränen verzehrender sehnsucht,

unter der sinfonischen gewalt der einsamkeit

und jener tiefen einsicht auch

in den sinn allen sinnwidrigen wandels,

obschon uns der hauch der unsterblichkeit noch gehört ...

 

 

 

versöhnung

 

wo man fehler nicht vergibt,

ist kein ort des lebens -

jeder tag, den man nicht liebt,

ist vergebens

 

wo man andre nicht versteht,

bleibt man selbst alleine -

was man inniglich begeht,

kommt ins reine

 

wo der gute wille fehlt,

folgt bald die verhöhnung -

nur von innen her beseelt

winkt versöhnung ...

 

 

 

Zuflucht

 

Da ich es auf den Himmel schiebe,

der echte Begegnung sät –

zum Beispiel geschwisterliche Liebe

und Spiritualität ...

 

Und da wir uns nicht mehr sehen werden,

abschiedslos, aber verlinkt –

bleib’ ich Dein Guardian Angel auf Erden,

der mit dem Tao winkt ...

 

 

 

Ein-Stimmung

 

Manche zieht es zu den Seelen,

Andre mehr zum Leib -

Ratsam, beides zu vermählen,

Ist’s für Mann und Weib ...

 

Auch das Ihre zu dem Seinen

Nach gemeinsamem Geschick -

Nicht entzweien, nein: vereinen,

Eins-Sein - manchmal! - heißt der Trick ...

 

 

 

Magic

 

A day like other days, free of sensation,

Between two nights, so far from yesterday -

But there’s a scent of magic at that station:

Which train is right and what is our way?

 

A night like other nights, but so impressed

By tender feelings after fancy hours -

There sounds a cheerful tune within my chest

The spring is coming and the march is ours ...

 

 

 

Göttergunst

 

Andere zeigen ihre Wut

oder ihren Neid bloß -

uns dagegen geht es gut,

innerlich und zeitlos …

 

Andere laufen gegen Wände,

stumm und unversöhnt -

wir ergreifen unsere Hände

und das Leben strömt …

 

Massen, die alleine sind,

oder überlastet -

Deine Locken grüßt der Wind

und die Seele rastet …

 

Eifrig irren sie umher,

andere zu verdammen -

uns jedoch fehlt gar nichts mehr

als viel Zeit zusammen …

 

Geister, die nur Leiber seien,

tönen all die Spötter -

Du und ich jedoch, wir leihen

uns die Gunst der Götter …

 

 

 

Kreisverkehr

 

Wie der Phönix aus der Asche

Wächst die Liebe immer neu,

Doch das Glück, das ich erhasche,

Bleibt mir selten lange treu ...

 

Denn der Virus der Routine

Greift die Unbedachtheit an -

Und mit rätselhafter Miene

Endet manche Liebe dann ...

 

Ja, das Glück hat 'was Gemeines,

Das Verliebtheit nie empfand -

Denn gewisslich scheint doch eines:

Nur der Wandel hat Bestand ...

 

Auch der Reife irrt nicht minder,

Alle Leidenschaft macht blind-

Weil wir niemals wieder Kinder

Und nie ganz

Augenpaare, die zwei Tigern gleich

erwachsen sind ...

 

Doch zuweilen bilden Triebe

Einen wundersamen Kreis:

Nur die eine Große Liebe

Endet nie, wie jeder weiß ...

 

 

 

Wenn         Du Dir

ein Herz fasst und es ist auch noch

zufällig meines und Du fasst Dir noch ein Herz

und sagst es mir, was Du Dir wünscht, dass

Du fühlst, wie Dein Herz sich so gerne

an das meine kuschelt, dann bin

ich sofort und ganz und gar

und ganz zweifelsfrei

Glücklich

...

 

 

 

Schnee

 

Schneeflocken fallen sacht und unaufdringlich

In jenen tiefen Schoß, der Erde heißt -

Und Worte fallen so unwiederbringlich,

Bis lautes Schweigen alles niederreißt

 

Schneekristalle glitzern zaubersam,

Erzählen raunend aus der Welt des Lichts -

Und Deine Augen glitzern feucht und warm:

Sie wissen alles, doch Dein Mund sagt nichts

 

Schneewehen lösen Zeit und Raum auf,

Du suchst nach Worten, doch Du findest keins -

Und neue Rätsel tauchen Dir im Traum auf:

Und Wort und Stille, Licht und Nacht sind eins ...

 

 

 

Insgeheim

 

Geheimnisvolles Blätterrauschen,

Als ob der Himmel sich verneigt -

Denn alle Kreaturen lauschen,

Wo das erhabne Eine schweigt

 

Geheimnisvolles Seelenspüren

Ob Du nun nah bist oder weit -

Nun öffnen sich die schweren Türen

Zur Welt der Unergründlichkeit

 

Geheimnisvolle innre Stimmen,

Sie flüstern, was noch niemand glaubt -

Und Hoffnungen, die Weiterglimmen

Nach Dir und uns und überhaupt

 

Geheimnisvolles Insgeheim -

Kurz vor der Überwindung,

Legt nun mein Liebestod den Keim

Zur ewigen Verbindung ...

 

 

 

 

 

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© Dr. Hilmar Alquiros The Philippines 2002 ff.