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1.Auflage: 1992/X by Hilmar Alquiros ( h.e.)

 

 

 

Achilles-Verse

 

Gedichte 1965 ff.

 

 

wochen

 

am montag fängt die woche an,

die arbeit und die sorgen -

am dienstag abend stell' ich dann

die uhr für mittwoch morgen

 

der donnerstag, er schleicht dahin,

ganz paradox und leise -

der freitag untergräbt den sinn

des worts in gleicher weise

 

der samstag kompensiert en gros,

der sonntag gilt als schontag -

entsetzt spürst du dann irgendwo

das ewige am montag ...

 

 

 

feedback

 

der mensch, der sicher auch schon dachte,

bevor er sich gedanken machte,

ließ sich vom denken nur beschenken

und dachte, ohne nachzudenken

 

doch ließen der gedanken mächte,

ihn überlegen, wie er dächte,

so trieben ihn des denkens grillen

zum denken um des denkens willen

 

bald denkt er viel und grübelt lang,

und mitten im gedankengang

dünkt ihn, daß er sich übernehme -

wozu denn solche denkprobleme?!

 

drum denkt er nunmehr mit bedacht

gedanken, die ihm zugedacht -

so lebt und stirbt er zweckgerichtet:

das denken hat sich selbst vernichtet ...

 

 

 

frauen

 

frauen sind vernunftbegabte wesen,

denn sie handeln nach intuition -

frauen können auch gedanken lesen,

und der vollmond ist ihr schutzpatron

 

frauen tragen schürzen, rühren töpfe

und erfahren mancherlei tortur -

frauen sind die weiblichsten geschöpfe

weit und breit in unserer natur

 

frauen sind ganz ohne parallele,

ziehen kinder groß und sterben dann -

frauen lieben geist in form von seele

und gelegentlich auch einen mann ...

 

 

 

mutter

 

da liegt sie nun wehmütig-stumm

und kümmert sich 'nen kehrricht drum,

was man ihr gab und was man nahm,

und wie die katastrophe kam,

sie dreht sich langsam und verletzt

und übergibt sich grau-entsetzt,

sie hustet, stinkt und glimmt gefährlich

und siecht dahin und leidet ehrlich,

neutronisiert sind alle werte -

laß dich begraben, mutter erde ...

 

 

 

umzug

 

kisten schleppen, hämmern, dübeln,

voll im streß und halb bedeppert -

möbelpackern nicht verübeln,

wenn auch mal geschirr zerscheppert

 

und am ende tausend ecken,

wo was fehlt noch - nur geduld!

umzieh'n ist kein honigschlecken,

wer was sucht, ist selber schuld

 

streichst du dennoch unabwendlich

letzte pünktchen von der liste -

denke dran, du kommst schlußendlich

selbst in eine umzugskiste ...

 

 

 

schmuddelkinder

 

unter der lippe

von frau dings -

trennt eine kippe

rechts von links

 

unter der zunge

quillt rotes blau -

ein schmuddeljunge

schmuddelt es grau

 

unter der lunge

brodelt galle -

unter der zunge

schmuddeln wir alle ...

 

 

 

Diagnose

 

Ich bin Deine Tante

und bin kugelrund,

ich bin immer kränklich

und nie ganz gesund

 

Ich hab’s an der Leber,

ich hab’s an der Gall’,

hab’s hier, hab’s da,

hab’s überall …!

 

1962 (!)

 

 

 

waldfrauenmord

 

eine waldfrau weint leise,

und ein hochofen schweigt -

und es schrecken die preise,

und das mordfieber steigt

 

und die bluthunde hecheln,

und sadismus tut gut -

und politiker lächeln,

und die erde spuckt blut

 

und der tod bleibt am leben,

und die welt wird ein loch -

und du willst dich übergeben,

aber mord bleibt es doch ...

 

 

 

regel-fall

 

circa achtungzwanzig tage

sind ein zyklus, geht die sage,

aber eine schöne reise

änderte die abzählweise,

ach - die regel kunterbuntert!

selbst der mond schaut ganz verwundert -

 

doch so mancher mensch verdankte

sich dem rhythmus, der so schwankte ...

 

 

 

zyklus

 

und immerwieder geht

der mond auf und ab

und dein auge auf und zu

und mein gedanke hin und her

und der anwalt vor gericht

und der sargdeckel zu

und das elend

von vorn los ...

 

 

 

tagung

 

auf die röcke, auf die hosen:

servietten für die saucen -

dame wartet auf ein wunder,

herr auf braten mit burgunder

 

thema eins, kollege zwei,

jeder schlabbert seinen brei -

wie gesagt, und obendrein,

schaun'se mal, wie hundsgemein

 

flattermänner, flitterdamen,

bilder ohne bild und rahmen,

wie's so geht? es läuft ... igitt -

und die zeiger laufen mit ...

 

 

 

arbeit

 

arbeit ist das glück der armen,

reichen bleibt es oft versagt -

denn sie wichen in den warmen

süden, zur safarijagd

 

kommen abgekämpft nach hause,

einsam schmückt ein fell die wand -

„harte arbeit!“, sagt herr krause,

vorstandsmitglied „Kies und Sand“ ...

 

 

 

advent

 

advent, advent,

ein christbaum brennt,

dann zwei, dann drei, dann vier, dann bald

ein ganzer christbaumwald

 

das dorf, das land, die ganze welt,

die feuerwehr kommt angeschellt,

doch - viel zu spät, der globus brennt,

der schöpfer flennt - advent, advent ...

 

 

 

funkverkehr

 

liebes ohr! wo bleibt das tönchen

kurz nach der synkopenbindung?

viele grüße, dein neurönchen,

furche berta, dritte windung

 

an zentrale drei strich b:

hier das linke ohr von ritschert

ton zum optischen relais

synästhetisch abgezwitschert!

 

 

 

übermensch

 

man gibt sich heut' gern clever und athletisch,

was wärst du, wenn du nicht auch trinkfest wärst?

gebrechlichkeit ist einfach unästhetisch!

der brave mann denkt an sich selbst zuerst

 

verletzlichkeit gilt nun als große schande,

gewissenlosigkeit als ruhmesblatt -

die weisheit der natur verläuft im sande,

der übermensch setzt nun den menschen matt ...

 

 

 

zeitig

 

heute ist heute, nur soviel steht fest,

denn morgen ist heute der gestrige rest,

noch gestern war heute als morgen zu lesen,

und morgen ist gestern was anderes gewesen

 

da wurde ist übermorgen betitelt,

und übermorgen als fehler bekrittelt,

weil vorgestern man es als heut' überklebte,

so gleicht, was ich gestern als gestern erlebte

 

dem gestern, von morgen betrachtet, genau:

bald wird mir der zeitsinn vernebelt und grau,

und gestern und heute und morgen zur plage -

die schuld trifft die relativierung der tage!

 

 

 

mundraub

 

nur, weil niemand mein verbluten kennt,

bin ich so auf portemonnaies versessen -

denn, was man so neue armut nennt,

hat schon manches loch ins herz gefressen

 

jäger jagen - und gejagtes fällt,

und bergrunter geht es steil und stetig -

das war immer das gesetzt der welt:

erst das überleben, dann die ethik ...

 

 

 

selbstkritik

 

ein punkt

sprang um sich selbst

und sagte: dies ist kunst

 

eine gerade

eierte vor vergnügen

und sagte: kunst punkt punkt

 

da zog der punkt

die fühler ein und übte

selbstkritik ...

 

 

 

juist

 

Joghurtbecher hinter dünen

Und die wellen duften weit,

Insel voller urlaubsmienen,

Straßen ohne autos schienen,

Traurig-schön - im meer der zeit ...

 

 

 

welt-bild

 

die zeit ist unser aller traum,

doch man versteht sie schlecht,

das gegenstück dazu - den raum -

begreift man auch nicht recht

 

der urknall und das fernste ende

sind uns ein schwarzes loch -

der sinn des ganzen bleibt legende,

und doch ...

 

 

 

lieder

 

liebevoll entbergen meine lieder

dein gefangensein in fragenlosigkeit -

und sie sagen dir das für und auch das wider,

daß du alles hast, nur ewig keine zeit

 

liebevoll entschlüsseln meine lieder

den geheimcode deiner rollensicherheit -

vor dem risiko, erkannt zu werden, flieht er,

und dann sieht der mensch so stark aus und gescheit

 

liebevoll entsagen meine lieder

deiner hoffnung, die belohnung steht bereit -

bleib' auch weiterhin so tüchtig und so bieder,

und erfrier' nicht an der unverfrorenheit ...

 

 

 

grauen

 

ein regime hatte ein territorium

inklusive 'nem laboratorium,

was da so geschah,

hielt niemand für wahr -

das ende hieß meist: krematorium ...

 

 

 

konsequenz

 

es schrieb ein bekannter erzähler

zuviel über irrenspitäler,

man zeigte sie ihm

ganz genau, das regime

dort, das brauchte ja niemand als wähler ...

 

 

 

krampf

 

in allen adern

ist ruh',

nach all den martern

spürest du

keinerlei kampf -

dein leben füllt bände,

da zuckt es zuende,

alles nur krampf ...

 

 

 

Schlusswort-Song

 

ob du gerne lebst oder auch nicht,

ganz allein oder lieber zu zwot -

ob du luxus magst oder verzicht:

steht am ende doch immer der tod

 

ob du kränklich bist oder gesund,

lieber fleisch essen magst oder brot -

ob du schlank schöner nennst oder rund:

steht am ende doch immer der tod

 

ob du stille liebst oder mal zoff,

oft mal außer dir bist, ob im lot -

ob du höflich bist oder mal schroff:

steht am ende doch immer der tod

 

ob du hosen bevorzugst, ob rock,

eher schlicht oder stets à la mode -

ob du tanzen gehst oder am stock:

steht am ende doch immer der tod

 

ob du weichherzig bist oder hart,

eher sanftmütig oder verroht -

lieber leidenschaftlich oder zart:

steht am ende doch immer der tod

 

ob du sinn für verrücktheiten zeigst,

du vernunft schätzt als höchstes gebot -

ob du schwatzsüchtig bist oder schweigst:

steht am ende doch immer der tod

 

ob du ehrgeizig bist oder faul,

dir erfolg oder kündigung droht -

ob du rassepferd bist oder gaul:

steht am ende doch immer der tod

 

ob du hitzig sein kannst oder cool,

eher blautöne magst oder rot -

ob du hetero bist oder schwul:

steht am ende doch immer der tod

 

ob du alkohol brauchst oder saft,

meditierst oder rauchst wie ein schlot -

ob dich stress oder müßiggang schafft:

steht am ende doch immer der tod

 

ob du höh'n oder tiefen durchlebst,

lieber bergmann bist oder pilot -

ob du weinst, ob auf wolken du schwebst:

steht am ende doch immer der tod

 

ob du edel bist, ob primitiv,

höchst genial oder mehr ein idiot -

ob konsumfreudig, ob kreativ:

steht am ende doch immer - der tod!

 

 

 

restauranziges

 

schritte dampfen durch die münder,

schlucke klirren, keim um keim -

ober, zahlen! - ungesünder,

doch bequemer als daheim

 

zweimal mit und einmal ohne,

inbegriffen reingewinn -

und das sado-monotone

„hat's geschmeckt?“ im rachen drin

 

flüchtig glattgestrich'ne seelen

gabeln sich verzweifelt hin -

fühlen magensäfte schwelen,

nur die fragen bleiben drin ...

 

 

 

bahnfahrt

 

so hock' ich als gespenst in der maschine

und stelle antiformen des gedichts her -

bewahre innen haltung, außen miene,

und wund're mich so langsam über nichts mehr

 

die feder in der hand, sie malt und zittert,

als ob's das alter wär' und nicht etwa die bahn -

wie schön, daß mich der vers hier nur verbittert

statt autobiographisch ein roman ...

 

 

 

glaubensbekenntnis

 

ich glaube nicht (!)

an die vernunft,

an naturgesetze,

an einen freien willen,

an die abstammungslehre,

an die liebe,

an meinen hausarzt,

an die lichter der großstadt,

an erfolg,

an buddha,

an psychoanalyse,

an mich,

an gerechtigkeit,

an einen sinn des lebens -

nur noch an

werbung ...

 

 

 

angebote

 

wußten Sie schon, es gibt jetzt

gräber mit musik,

doppelsärge auf tuchfühlung,

leichen in aspik,

mit telefon und zugspülung ...

 

wußten Sie schon, es gibt jetzt

menschen ohne gräber,

berührungen ohne glück,

vergiftete schweineleber -

und keinen weg zurück ...

 

 

 

s-o-s

 

die galaxien dreh'n erhaben ihre kreise,

unmerklich schwillt das weltall an und ab -

nur auf der erde produziert man ständig scheiße

und nicht zu knapp

 

das universum schaut dem treiben auf der erde

unendlich unbeteiligt und gelassen nach -

die aber funkte schnell noch „shit“ und „merde“,

eh' sie zerbrach ...

 

 

 

verkohlt

 

schon wieder eine achsenzeit,

schon wieder millionenheere -

ein roter knopf, einen daumen breit,

unserm globus zur letzten ehre

 

nur mut, ihr geister, die erde verglimmt,

keine zeit mehr, kein ernst mehr, kein scherzen,

dieser knopfdruck, er war wohl vorherbestimmt -

fünf milliarden verkohlte herzen ...

 

 

 

bekehrung

 

der mond, des mondseins überdrüssig,

juristisch wortgewandt und flüssig,

bezeugte und belehrte

 

dass man in paragraphen fand,

die erde sei ein mond-trabant,

kurzum: er sei die erde!

 

so war der erde plötzlich klar,

wie relativ ihr dasein war,

bevor man sie bekehrte ...

 

 

 

ungetüm

 

ein ungetüm, das eines tags befand,

es sei allein, und dies sei allerhand

 

ging auf die suche nach verlor'nen größen -

und fand sich selbst, als widerpart des bösen

 

der namenswechsel war recht ungestüm:

es nennt sich nun getüm statt ungetüm ...

 

 

 

zeitverluste

 

blankgeputzte seelenstiefel

stolzieren fall um fall

in ein grab

 

gedankengips

blättert ab

 

im sarg

fehlt

die

uhr

 

 

 

fortpflanzung

 

aus einem ei

pellte sich ein gleiches,

außen kalk,

innen ein ganz weiches

 

einerlei!

auch ein eiweißreiches

geht (ei schalk!)

den weg allen fleisches ...

 

 

 

wahrheit

 

geben sei seliger,

flüstert die intrige

der vernunft

 

waffen schaffen frieden,

tönt blechern

die unvernunft

 

jenseits von beiden

lächelt vereinsamt

die wahrheit ...

 

 

 

straßencafé

 

Rue St. Martin, à Paris,

soixante-et-un, vis-à-vis

thé, eine stunde lang -

straßenmusik mit gesang

 

klänge lateinamerikanisch,

text halb erotisch, halb spanisch,

stimmung lokalkolorit -

auch ein chlochard schmunzelt mit

 

gendarmerie zeigt verständnis,

publikum schätzt die erkenntnis,

vive la musique! c'est la vie -

Rue St. Martin, à Paris ...

 

 

 

bittermandeln

 

ein roter hals hat oft verkündet:

die mandeln haben sich entzündet -

wenn sich das elend noch erweitert,

dann sind sie obendrein vereitert

 

zunächst wird sich der arzt beeilen,

mit antibiotika zu heilen -

doch wiederholt sich jahr für jahr,

was anfangs ganz vereinzelt war

 

dann wird die sache anatomisch

zum dauerzustand, also chronisch -

besonders schlimm, nicht zu vergessen,

erlebt man mandeln mit abszessen

 

dann darf man sich nicht mehr genieren,

da hilft nur eines: operieren!

und sind die störenfriede draußen,

dann sind die schmerzen erst zum grausen

 

doch finden mittel sich und wege,

dank liebevoller krankenpflege -

am ende wirkt dann allzumalen

doch noch erlösung von den qualen

 

gesundheit ist ein fundament

des handelns, das man menschlich nennt -

doch kann man mit und ohne mandeln

durch höhen und durch tiefen wandeln ...

 

 

 

du-da

 

ein gott könnt' uns in seinem dasein

als kosmos schon unendlich nah sein

 

doch fügt die halbe menschheit zu,

er sei auch personales du

 

die erste lesart übernehm' ich

die zweite schein mir arg ... blasphemisch!

 

 

 

hinter-lassung

 

ewig juckt es, ewig kratzt man,

hält nicht inne und verpatzt dann

nach so manchem schönen anfang noch den rest

 

glaubt, dass es doch gehen müsste,

so, als ob man nicht längst wüsste,

dass das wesentliche sich nicht zwingen lässt

 

ewig spürt man, ist man ehrlich,

viele ziele als entbehrlich

und erkennt sich als das dümmste aller kälber

 

ist die mache unterlegen,

wirkt das lassen oft als segen,

all das merkt man hinterher dann ganz von selber ...

 

 

 

frieden

 

hackebeilchen kontra neuronen,

sagte der fleischer, dann schlug er zu,

schlackebäuche unter ikonen

hacken die friedensapostel im nu

 

geiferglocken kontra den frieden,

der apostel weiß es genau -

denn wie die gleichheit sind sie verschieden,

und darum schweigen die menschen so grau

 

und auch die kinder hacken die enkel,

keinerlei zukunft, die noch beseelt -

abstraktionen zwischen die schenkel,

besser, die letzte zeile hier fehlt ...

 

 

 

resignation

 

aus der sprachlichen retorte

quillt es schaurig-eminent,

denn ein dichter hustet worte,

traurig, doch auf wunsch dezent

 

schwarzer sinn mit weißem flitter,

dass Dein auge es erträgt -

wenn er wie ein schneegewitter

tasten der empfindung schlägt

 

ängstlich hüllst Du Dich in kalte

stöber des erwachens ein -

demonstrierst erneut das alte

kindische erwachsensein ...

 

 

 

Pipapo-Song

 

ich liebe und ich bin verliebt,

ich leide und bin froh,

weil's halt kein glück auf dauer gibt -

das war schon immer so

 

ich geistere und bin begeistert

und brenne lichterloh,

das leben hab ich nicht gemeistert -

das war schon immer so

 

ich schreie und ich bin verschrien

in diesem menschenzoo,

mein leben ist nur ausgeliehen -

das war schon immer so

 

ich trete und ich bin betreten:

die welt des tae-kwan-do ...

so mancher schlag kam ungebeten -

das war schon immer so

 

ich nehme und ich bin benommen,

bald zärtlich und bald roh,

die weisheit wird im alter kommen -

das war schon immer so

 

ich gebe und ich bin vergeben

und wohne nirgendwo,

ich stehe hautnah knapp daneben -

das war schon immer so

 

ich treffe und ich bin betroffen,

das ist mein status quo,

doch bin ich für die zukunft offen -

das war schon immer so

 

ich suche und ich bin versucht,

mal kontra und mal pro,

ich bin gesegnet und verflucht -

das war schon immer so

 

ich rufe und ich bin berufen,

seit ich der angst entfloh,

mein weg hat viele kleine stufen -

das war schon immer so

 

ich liebe und ich bin verliebt

mit allem pipapo,

weil es nichts heiligeres gibt -

das war schon immer so ...

 

 

 

plurale

 

man rühmte stets die speisen omas,

vor allem wegen der aromas

 

war es doch stets ein gutes omen,

rühmt man an ihnen die aromen

 

bewusst bis in die komata -

sind oft noch die aromata ...!

 

 

 

mülltonnen-ode

 

nur unrat bildet dein geschick,

dein wert bleibt unermeßlich -

du bist zwar plump und bist zwar dick

und obendrein noch häßlich

 

doch schluckst du den gemeinsten dreck

in deinen grauen bauch

und steckst es ohne klage weg -

ach, könnt' ich das doch auch ...!

 

 

 

wohngemeinschaft

 

oberhalb der unterlippe

wohnt der geist in dem gerippe

 

unterhalb der zahnprothesen

haust der körper, nicht das wesen

 

geist und körper spür'n gemeinsam:

leben ist doch schrecklich peinsam ...

 

 

 

tier-liebe

 

es waren einmal zwei giraffen,

die schleckten aus einem topf -

die gelegenheit war wie geschaffen,

sie verliebten sich: hals über kopf!

 

es legten einmal zwei kamele

sich schüchtern so rücken an rücken -

doch wollt' die platonische seele

von wegen der höcker nicht glücken!

 

es führten einmal zwei garnelen

ein leben in ehestands-dramen,

bis sie endlich, nach langen querelen,

ins gericht (eines feinschmeckers) kamen!

 

es waren auch einmal zwei tiger,

die kämpften um jeden preis

um 'ne tigerin: einer blieb sieger -

ob's die sache nun wert war, wer weiß!

 

es schien mal zwei munteren igeln

ein grundloses sticheln nicht nett -

das sollte ihr schicksal besiegeln:

sie pieksten sich lieber im bett!

 

es gab da zwei schmetterlinge,

die war'n ineinander verliebt -

im fluge vollbrachten sie dinge,

die's anderswo so gar nicht gibt!

 

es waren einmal zwei schakale

von allzuviel liebe ganz matt,

da hatten sie mit einem male -

das nächtliche 'rumstreunen satt!

 

es waren einmal zwei schimpansen,

die waren die einsamkeit leid -

und fingen sie wild an zu tanzen,

erblasste der wärter vor neid!

 

es mischten mal zwei orang-utans

ein affrodisiakum ins essen,

da war'n sie am ende des futterns

auf allerlei nachtisch versessen!

 

es waren einmal zwei gorillas,

die war'n ihre unschuld ganz leid -

sie lasen das werk henry millers,

da wußten sie endlich bescheid!

 

es lebten gemeinsam zwei ratten,

bis jeder vom andern sich trennte -

der eine verkroch sich im schatten,

schon allein wegen der alimente!

 

es hatten einmal zwei chinchillas

klavier zu vier händen versucht,

doch übten am ende des trillers -

sie lieber die pelztierzucht!

 

es waren einmal zwei kaninchen

schon lang überhaupt nicht vital mehr,

da legten sie sich vor's kaminchen -

und froren kein einziges mal mehr!

 

es war'n mal zwei teddybären,

die liebten sich innig und heiß,

da begannen sie sich zu vermehren -

und zwar kräftig, wie jedermann weiß!

 

es war'n mal zwei meerschweinchenjunge,

die wussten schon früh, wie es klappt -

drum küssten sie gern und mit zunge,

sie hatten echt (meer-)schwein gehabt!

 

es gönnten sich mal zwei flamingos

schlicht alles - das konnt' allerhand sein,

doch eines nicht: nur keinen ring bloß -

dazu fehlte den beiden das standbein!

 

es waren einmal zwei lemuren,

die kannten im lieben kein maß mehr -

und kamen sie richtig auf touren,

dann wuchs an der stelle kein gras mehr!

 

es waren einmal zwei gazellen,

die führten das küssen ganz schlicht aus -

auch liebten sie ungern im hellen,

drum knipsten sie immer das licht aus!

 

es wollten einmal zwei bazillen

klammheimlich das fremdgehen verstärken

und hofften vergeblich im stillen -

der andere würde nix merken!

 

es wollten einmal zwei amöben

zwecks fortpflanzung mehr nur als teilung,

doch erwies sich ihr liebesbestreben -

als evolutions-übereilung!

 

es wollten zwei muske-tiere(!)

nicht ewig nur fechten und hauen,

da nahmen sie ihre papiere -

und küssten von nun an die frauen!

 

und zwei aus der gattung der menschen,

die hatten einander sooo lieb -

sie hielten sich oft an den händchen,

wobei es dann aber nie blieb!

 

es waren einmal zwei delphine,

die hatten im wasser kein futter -

sie nährten sich von margarine

und fanden das völlig in butter!

 

es waren einmal zwei schimpansen,

denen war kaum ein haarschnitt zu schwierig -

sie trugen die strin voller fransen

und fanden das absolut tierisch!

 

es waren einmal zwei hyänen,

die schienen im jammern ganz groß -

sie hielten nix von langen plänen

und heulten am liebsten gleich los!

 

es waren mal zwei bernhardiner

von der bergwacht, so riesiger kälber -

das waren zwei alte schlawiner,

die tranken den rettungs-rum selber!

 

es war'n mal zwei jung-elefanten,

die klauten des zoowärters schlüssel -

da kamen zwei schimpfende tanten

und zogen sie kräftig am rüssel!

 

es waren einmal zwei hornissen,

die merkten: die liebe verblich -

da gaben sie sich kunstbeflissen

zum abschied noch schnell einen stich!

 

es waren einmal zwei moskitos,

die fanden, ein stich-kampf sei mist -

man opfere sich einem mythos ...

da wurden sie halt pazifist!

 

es waren einmal zwei reptilien,

die lagen gekrümmt hinterm strauch -

denn sie hatten zwei frau'n aus sizilien

samt krokodilledermantel im bauch!

 

 

 

schneid

 

die bäume zeigen vielfach das gepräge

noch jener stillen unterwürfigkeit -

fatal, weil irgendwie gedankenträge,

verkennen sie die zeichen ihrer zeit

 

dann kommt der forstwirt eines tages mit der säge

und metzelt sie danieder, weit und breit -

da sieht man's wieder: was sind schon verträge,

nicht demut braucht man heute, sondern ... schneid!

 

 

 

zwiegespräch

 

kennen Sie lore?

nee!

lore ist mein frau.

was macht sie?

sie liebt ihn.

wen?

na, koko.

und der genügt ihr?

ja, alles kokolores ...

 

 

 

selbstschuss

 

hinter stacheln und verhau

geistert noch ein stumpf -

ohne glieder, tonlos, grau,

ohne kopf und rumpf

 

ohne individuelle

freude am detailchen

fällt die letzte zitadelle -

warte nur ein weilchen ...

 

 

 

pauschal-reisen

 

reisende mit schwergepäck

  schnaufen in den gängen -

schnappen sich die plätze weg,

  schubsen sich und drängen

 

schwatzende und solche, die

  in abteilen schlafen -

wie im leben gleichen sie

  wölfen oder schafen

 

vor verschiedenen zielen schon

  bangen arm und reich -

doch die letzte endstation

  ist für alle gleich ...

 

 

 

Einklang

 

Am Himmel scheint ein Silberstreifen-Mond:

Wer nichts erwartet, der wird reich belohnt ...

 

Die Sterne leuchten über der Natur

Ganz ohne Grund: sie funkeln einfach nur!

 

Die Sonne strahlt uns selbstlos ins Gesicht:

Und spendet Wärme - doch sie plant es nicht ...

 

Die Erde schöpft die Kräfte aus dem Vollen,

Sie dreht und dreht sich - ohne es zu wollen!

 

 

 

Enough

 

Please, go on and let me rest

And I wish you all the best

Mark my words: enjoy your laughter

Ere the scythe will cut it after

Live and let live, that’s enough

And your life be full of love

 

 

 

Heilig-Abend-Sonett

 

Festtagsstimmung! Oder nicht?

Ruht die alte Sehnsucht -

Oder klärt sich, wer da wen sucht

Heut im Kerzenlicht?

 

Eingeschliffne Rituale

Wundern sich und hoffen -

Eben drum schlurft man betroffen

In die Abendmahle ...

 

Heut müsst alles anders werden:

Nicht bloß „Stille Nacht“!

Alle Jahre weint und lacht

 

Christus selbst auf Erden -

Heute möcht ich mit verwegnen

Tiefen Blicken Dir begegnen ...

 

 

 

suchmeldung

 

mensch sucht menschen, er sucht sie,

weiß warum, doch weiß nicht, wie -

mensch sucht menschen, sie sucht ihn,

aussichtslos, so wie es schien

 

beide sehn als letzte chance

suchaktionen par annonce -

hoffnungsschimmer brief auf brief,

stimmungen mal hoch, mal tief

 

fotos, die zuviel versprachen,

trümpfe, die dann doch nicht stachen -

knopflochnelken im café,

doch mit fistelstimme - nee!

 

manchmal ganz intime proben,

tag nicht vor dem abend loben -

schließlich war man lang enthaltsam,

doch die tests sind zu gewaltsam

 

und die illusionen schwinden:

unter chiffre nichts zu finden -

sie sucht ihn und er sucht sie,

mensch sucht menschen - aber wie ...?

 

 

 

Bald

 

Leise rieselt der Kalk,
still der einstige Schalk,
weihnachtlich einsam und kalt:
Freu' dich, das Sterben kommt bald!

 

Leise rieselt und warm
unaufhaltsam der Harn,
Knochengeklapper erschallt:
Freu' dich, das Sterben kommt bald!

 

Bald ist ewige Nacht,
Lebenslust völlig verflacht,
hört nur wie hohl es schon hallt:
Freu' dich, das Sterben kommt bald!

 

 

 

wissbegierde

 

manche wissen über alles ganz genau bescheid:

könnten es beschwören, wenn es sein muss, unter eid,

denn sie respektieren die gesetze des gerichts -

wissen alles ganz genau und fühlen dabei nichts

 

manche wissen ständig, was für andere ganz gut wär'

nehmen nichts von ungefähr, doch irgendwo den mut her,

zeigen stets den andren den vorteil des verzichts -

wissen alles ganz genau und fühlen dabei nichts

 

manche wissen von natur aus besser, wo es lang geht,

gehen über leichen, wenn's um einen höh'ren rang geht,

lieben nur die schattenseiten ihres lebenslichts -

wissen alles ganz genau und fühlen dabei nichts

 

manche wissen sich alleine und beziehungsblind,

sichern sich die nähe derer, die genauso sind,

kapseln ihre botschaft in die maske des gesichts -

wissen alles ganz genau und wissen dennoch nichts ...

 

 

 

reisefieber

 

sommerschwüle, kofferschieben,

die gesichter leicht zerknüllt -

menschen, die das reisen lieben,

zweiter klasse, überfüllt

 

off'ne fenster in den gängen,

eine dicke, die gern schwätzt -

schonungsloses schubsen, drängen,

selbst der schaffner scheint verletzt

 

reisefieber, hitzewellen,

hosenträger ohne stil -

die aus den abteilen quellen,

manchmal ohne rechtes ziel

 

lesen, schlafen, schwitzen, stieren,

da man so gelangweilt ist -

menschen, die nach ferne gieren,

wo die nähe tödlich ist ...

 

 

 

distanz

 

kommunikationsprobleme

genialisch überwinden -

daß man sich nicht übernehme,

besser wohl doch gleich verschwinden!

 

fallen lassen, neu genießen,

freiheit heißt der trennungslohn -

schluss mit partnerschaftsverdrießen,

denn der nächste flirtet schon!

 

eher zur verführung beten,

als zu liebendem verzeih'n -

sehnsucht mit den füßen treten,

um nicht abhängig zu sein!

 

weil vertrauen nur zu trögen

symbiosenkrisen führt -

treue überwinden mögen:

schonungslos und distanziert!

 

 

 

haifisch-kinder

 

denn das leben ist ein sterben,

und es endet mit dem tod -

und dann freu'n sich all die erben,

denen bald dasselbe droht ...

 

denn der raum stellt niemals fragen,

weil die zeit sich selber frißt -

und so musst du es ertragen,

daß dein zeitraum sinnlos ist ...

 

denn das gück gibt's nur auf raten,

von den zinsen rasch ergraut -

bis der steinmetz unsre daten

auf den kalten marmor haut ...

 

denn die hoffnung ist das leben,

und verzweiflung ist der tod -

und so mußt du weiterstreben,

bis man dir was bessres bot ...

 

und der haifisch schmiedet pläne,

und er fordert dich heraus -

und auch du zeigst ihm die zähne,

doch du beißt sie dir nur aus ...

 

denn die duldung der misere

ist nicht folge, sondern grund -

und das recht auf etwas ehre

ist doch menschlich und gesund ...

 

denn ein geber wurde nehmer,

und er nahm, was er bekam -

immer nach dem gleichen schema

und das ohne jede scham ...

 

und der nehmer wurde geber

und er gab, was er erhielt -

und hat so - frei von der leber!

die balance neu erzielt ...

 

und berlin hat eine mauer,

25 jahre schon -

und man pendelt zwischen trauer

und dem recht auf  illussion ...

 

denn der krieg dient nicht dem frieden,

wer das wirklich meint, der spinnt -

doch bis heut' steht's unentschieden,

wer von beiden je gewinnt ...

 

und die blumen auf den wiesen

sind der liebreiz der natur -

ach, wir möchten uns genießen,

doch zerpflücken wir uns nur ...

 

denn wir alle suchen ständig

in der praxis harmonie -

und wir wissen tausendbändig

nur das was und nicht das wie ...

 

denn das herz möcht' längst verzeihen,

nur der kopf ist noch voll wut -

lässt du dich davon befreien,

tut das beiden teilen gut ...

 

denn wer nicht liebt, der ist einsam,

und wer liebt, ist nicht mehr frei -

und so lebt sich's doch recht peinsam,

was für'n mensch man da auch sei ...

 

denn die einen woll'n es zwingen,

andre dulden viel zu viel -

mit 'ner spur von beiden dingen

bleibt der mitte mehr vom spiel ...

 

denn wer hasst, kennt wenig liebe,

und wer liebt, kennt kaum noch hass -

daß der menschheit beides bliebe,

darauf aber ist verlass ...

 

und aus tagen werden nächte,

und die nächte werden tag -

und viel schöner, als man dächte,

wird die zeit, wenn man sich mag ...

 

denn aus nächten werden tage,

und den tagen folgt die nacht -

und die zeit wird schnell zur plage,

wenn man nichts zusammen macht ...

 

und die sehnsucht nach dem leben

ist das leben in person -

möchte für die liebe werben,

aber wer versteht das schon ...

 

 

 

Neuland

 

Tiefer Inhalt, edle Formen ...

manch ein Neuland will gewagt sein -

Geist und Schönheit sind die Normen,

Unsagbares will gesagt sein

 

Menschenleben möcht’ verweilen,

doch der Zeiger drängt und treibt -

bleibt doch zwischen allen Zeilen

nur die Wahrheit, die man schreibt ...

 

 

 

Déja-vu!

 

Dreihundertsechzig mal gepennt,

schon wieder heißt es nun „Advent“!

Da kommt auch bald – und ungelogen

Knecht Rupprecht um das Eck gebogen.

 

Und Nikolaus und Weihnachtsmann

schau'n sich so manches Englein an:

Hoho! Ach, all das Wunderbare,

es wiederholt sich alle Jahre …

 

Die Weihnachtsgammelgänse schmoren.

„… uns ist heut’ Nacht ein Kind geboren!“

Die Engel rauschen ungeheuer:

bald drei Prozent mehr Mehrwertsteuer!

 

 

 

Geburtstag

 

Wie schön, nein: wunderbar! (was red’ ich)

Wirkt eine Woche in Venedig:

Zu Land’ und Wasser stets auf Trab,

und Brücken geht’s treppauf, treppab …

 

Mediterran (und gar nicht schwedisch)

Wirkt eine Woche in Venedig:

Schon geht die nächste Gondel ab

(und MONEY bitte nicht zu knapp!!)

 

Aller Gedankenschwere ledig

Wirkt eine Woche in Venedig:

„Ob ich noch manchen Geburtstag hab’?!“

-Papperlapapp!!

 

 

 

Inselfreuden

 

Die Luft so rein, die Bronchien froh:

Genuss mit allem Pipapo -

Wie jeder auf den Dünen taumelt!

Der Körper schwingt, die Seele baumelt …

 

Aus ferner Heimat weht Gewinsel:

„Auch ich bin reif nun für die Insel!“

Voll Schadenfreude, unverhüllt -

Grüßt Euer H Punkt, derzeit Sylt …!

 

 

 

Dünentrab ...

 

Die Nordsee rauscht, die Möwe kichert -

drei Wochen Seeluft sind gesichert ...

Die Sonne lacht, das Herz lacht mit

(die Strandtenöre – hmh, ein Hit!)

 

Nach Shopping und nach Inselfahrt:

auch das Apartment – sehr apart!

Lukullus, Wellness und Idyll,

Genuss in stetem Wechselspiel ...

 

Sylt halt in seiner ganzen Pracht!

(es rauscht die See, die Möwe lacht)

und nach so manchem Dünentrab ...

stößt man dann auf ein Hünengrab!!

 

Beim Abschied bleibt kein Auge trocken:

bald wieder brav zu Hause hocken?!

Es raunt die See uns hinterher:

„Wir alle kamen aus dem Meer ...!“

 

Erinnerungen werden triefen

noch lang in tiefsten Seelentiefen ...

 

 

 

 Euro-Malta

 

Silvester folgt den Weihnachtsklängen,

Und Malta dem Vertrag von Schengen –

Und, was sich längst als klug erweist:

Der Euro folgt Europas Geist ...

 

Zum ersten Tag im neuen Jahr –

Nun wird auch hier auf Malta klar:

Wo Menschen in die Einheit tanzen,

Wird Kleines zum Symbol des Ganzen!

 

31.12.2007

 

 

 

Lebenslauf

 

Null Jahre und ein erster Schrei:

Hurra, ich bin jetzt auch dabei!

 

Mit 10 sieht man am Firmament

Die Zeit, die man dann Jugend nennt.

 

Mit 20 ist man groß und stark -

Und nachts auch mal verliebt im Park ...

 

Mit 30 stapft man rastlos-rege

Und stolzgeschwellt die eignen Wege.

 

Mit 40 fängt man dann und wann

Am Selbstbild leicht zu kratzen an.

 

Mit 50, statt zu jubilieren,

Beginnt man schon zu bilanzieren.

 

Mit 60 muß man nichts beweisen:

Man geht in Rente und auf Reisen.

 

Mit 70 fühlt man froh und leise

Ein kleines bisschen sich schon weise.

 

Mit 80 spürt man unaufschieblich:

Das Alter wird allmählich biblisch!

 

Mit 90 schleicht dann obendrein

Ein Hauch von Gnade durchs Gebein.

 

Mit 100, fern dem Weltgetöse,

Ist jenseits man von gut und böse.

 

Mit 110 fragt man indessen:

Hat mich der Sensemann vergessen?!

 

Das Leben kann, der Tod, der muß sein ...

Drum: auch mit Reimen muß nun Schluss sein!!

 

 

 

Grabspruch

 

Unter letzten Sinnesresten

Näht ein Flickenmantelmann

Siebzehn Sinne

Irgendwer mit steifen Gesten

Nummeriert am Ende dann

Null Gewinne ...

 

 

 

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© Dr. Hilmar Alquiros The Philippines 2002 ff.