Urlaubsgrüße

 

Liebe Oma!

 

     Liebe Grüße aus San Confiscente von Deiner Nina. Grüße natürlich auch von Mama - und sogar von Papa, der es ganz schade findet, dass Du nicht dabei bist. Meistens haben wir über 40° im Schatten, und einige ältere Leute, sagt er, haben schon einen Sonnenstich gekriegt. Das kommt alles vom Ozon, sagt Papa. Und von der Anstrengung, bis man ein paar freie Meter Strand findet.

     Der Urlaub ist sehr schön. Papa ist tüchtig braun geworden seit dem Sonnenbrand; er hatte dafür tagelang in der Sonne liegen müssen, weil er die falsche Haut hat, sagt Mama, und damit es zu Hause alle sehen können, dass wir drei Wochen lang viel Geld bezahlt haben. Das Telefon in der Ferienwohnung haben sie abbestellt, weil Briefe schreiben viel schöner ist.

     Der Urlaub ist richtig klasse. Mama hat sich einen riesengroßen Strohhut gekauft, um darunter zu lesen, wenn sich Papa mit ihr unterhält. Der Hut ist zwei Hüte wert, da alles doppelt so teuer ist wie letztes Jahr.

 

     Die Fahrt hierher war ganz toll. Mama durfte nicht ans Steuer, damit Papa einen neuen Rekord schaffen konnte. Es hat nur sechsundzwanzig Stunden gedauert, und das Auto war dreimal in der Werkstatt.

     Der Urlaub ist so schön, weil wir wegen der Hitze nichts unternehmen müssen. Ich kann immer mit den anderen Kindern spielen, so dass Papa und Mama sich ganz ungestört Vorwürfe machen können. Nur nachts streiten sie gar nicht, seit ich bei Mama schlafe und Papa in meinem Zimmer, damit sie sich einmal so richtig ausruhen können vom Urlaub machen.

     Im Meer kann man übrigens toll baden, es ist sogar Seifenschaum drin; sie haben an alles gedacht, sagt Papa, seit der Sachen mit dem Öltanker.

 

     Der Urlaub ist voller Überraschungen, weil wir jeden Tag in ein anderes Restaurant essen gehen. Papa und Mama wissen oft gar nicht, was sie bestellen sollen, seit wir alle Durchfall bekamen.

     Schön ist auch, dass so viele andere Kinder da sind. Es ist hier gar nicht schlimm, wenn man Schimpfwörter in den Mund nimmt, da keiner die Sprache des anderen spricht. Nur ein etwas größerer holländischer Junge ist halbwegs zu verstehen, dauernd droht er ‘Ik hou van jou’ oder so ähnlich.

     Gestern Abend, da haben wir eine Bootsfahrt gemacht. ‘Wie romantisch!’ hat Mama immer wieder gesagt, ‘bei Vollmond.’ Die Leute waren toll gelaunt und hatten mächtig Spaß, bevor der Hai vorbeikam. Als einer die Flosse im Wasser sah, begannen sie auf Kommando alle um Hilfe zu rufen - echt Spitze! Plötzlich tauchte auf dem Schiff daneben jemand mit einem Lautsprecher vor dem Mund auf. Er rief ganz laut ‘Cut!’, da zogen sie einen großen Gummi-Hai aus dem Wasser, und ich durfte leider nicht mehr weiter schreien, so laut ich konnte.

 

     Obwohl der Urlaub so schön ist, müssen wir am Mittwoch wieder nach Hause fahren, schade. Man darf seine Ansprüche nämlich nicht zu hoch schrauben, sagt Papa. Darum werden wir nächstes Jahr wieder hierher nach San Confiscente fahren. Wenn wir am Donnerstag zurückkommen, sagt er, werden wir uns erst mal bei Dir und Opa so richtig satt essen, meint Papa.

     Liebe Oma, viele Grüße bis bald, Deine Nina.

 

     P.S. Grüße auch das Kaninchen, den Igel, das Meerschweinchen und Opa.

 

 

©  Hilmar Alquiros

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© Dr. Hilmar Alquiros The Philippines 2002 ff.